Türken zittern um EM-Qualifikation
Wenn die Gäste wie Schmuggler behandelt werden

Ein Ausdruck der traditionellen türkischen Gastfreundschaft war das nicht gerade. Als die Fußball-Nationalmannschaft von Lettland zum entscheidenden Spiel um die EM-Teilnahme in Istanbul eintraf, musste die Delegation eine Stunde lang an der Passkontrolle warten. Anschließend wurde ihr Gepäck von Suchhunden der Drogenpolizei durchschnüffelt.

ISTANBUL. Vor der 0:1-Niederlage im Hinspiel sei es den türkischen Spielern in Riga genauso ergangen, begründeten die Türken den feindseligen Empfang. Mit diesen Schikanen versuchen sie, die eigene Schwäche zu verdecken. Die Mannschaft ist weit von der Form der WM 2002 entfernt, als sie Dritter wurde.

"Wie Schmuggler" seien sie behandelt worden, beschwerten sich die Letten nach der Prozedur am Flughafen. Unerwartet kam die Aktion aber nicht. Der Chef des türkischen Fußballverbandes, Haluk Ulusoy, hatte nach der Rückkehr aus Riga angekündigt, die Türkei werde fortan ihre Gegner nicht mehr wie Gäste behandeln. Das war nicht Ulusoys einziger Ausrutscher . Auch die Wahl des Schiedsrichters gefällt ihm nicht. Denn der Unparteiische ist Anders Frisk, ein Schwede. Jeder wisse doch von den engen Beziehungen zwischen Schweden und Lettland, sagte der Verbandschef.

Dabei hätte er allen Grund, sich statt über den Schiedsrichter über die eigenen Spieler aufzuregen. Stürmer Ilhan Mansiz und Spielmacher Nihat Kahveci versagten in Riga völlig. Hinzu kam die Hitzköpfigkeit vieler Spieler, die zu Gelben und Roten Karten führte. Mittelfeldspieler Emre Asik, Verteidiger Fatih Akyel und Torhüter Rüstü Recber werden deshalb beim Rückspiel fehlen. Auch diese Unbeherrschtheit hat die Nationalmannschaft in der Achtung vieler Türken sinken lassen. Jetzt kommen noch Berichte über die Raffgier der Spieler hinzu. Kapitän Hakan Sükür soll vor dem Spiel in Riga mit Trainer Senol Günes um eine Siegprämie gefeilscht haben. Günes sei so erbost gewesen, dass er Sükür auf die Tribüne verbannte. Beide bestreiten dies, doch ein schaler Nachgeschmack bleibt. Heute wird Sükür wohl zum Einsatz kommen, denn Günes dürfte vor heimischem Publikum mit drei Stürmern von Anfang an auf Offensive setzen.

Die Mannschaft wisse, dass sie bei der Nation in der Schuld stehe, sagt Abwehrchef Bülent Korkmaz. "Wir werden diese Schuld begleichen." Doch selbst wenn das gelingt, ist eines unumstritten: Die WM-Nationalhelden haben sich seit ihrem Triumph vor anderthalb Jahren selbst um ihren Ruhm gebracht.

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