Türkische Börse hofft auf Neuwahlen
Experten raten von Türkei-Aktien ab

Die Türkei steht wieder einmal am Rande einer Finanzkrise. Experten rechnen daher weiterhin mit volatilen Märkten und rate bei Engagements zu Vorsicht.

FRANKFURT/M. Wegen der politischen Wirren brachen die Aktien- und Anleihenkurse vorübergehend ein, fingen sich zuletzt aber wieder. Auch wenn die nahe Zukunft der Türkei wieder stärker im Nebel liegt und der EU-Beitritt des Landes in die Ferne rückt, hat sich die zuversichtliche Einschätzung von Analysten kaum geändert.

Die schwerste Rezession seit dem Jahr 1945 zehrt nicht nur an den Nerven der Politiker, sondern auch der Anleger. Die Fachleute des Investmenthauses Global Securities in Istanbul sprechen offen von einem "politischen Chaos". Jeder weitere Tag politischer Unsicherheit könne die Kurse an den Anleihe- und Aktienmärkten wieder absacken lassen, heißt es.

Nicht zuletzt unterschiedliche Auffassungen im Hinblick auf vorgezogene Neuwahlen halten die Märkte in Atem. Premierminister Bulent Ecevit hatte sich in der vergangenen Woche für den Wahltermin 3. November ausgesprochen. Der Internationale Währungsfonds IWF, der das Reformprogramm der Türkei mit Finanzhilfen über 16 Mrd. $ unterstützt, warnte daraufhin, davor, dass vorgezogene Neuwahlen den Reformprozess verzögern könnten. Devlet Bahceli, stellvertretender Ministerpräsident und Chef der Partei der nationalen Bewegung MHP, drohte mit dem Austritt seiner Partei aus der Dreier-Regierungskoalition für den Fall, dass der von Ecevit genannte Wahltermin nicht eingehalten werde.

"Je früher in der Türkei Neuwahlen stattfinden, um so größer sind die Chancen, eine neue Finanzkrise vermeiden zu können", sagt Nick Eisinger, Analyst der Ratingagentur Fitch. Ungeachtet dessen glaubt Eisinger, dass die Türkei in naher Zukunft ernsthafte Probleme bei der Bedienung ihrer Schulden haben werde. Ähnlich wird die Lage von UBS Warburg eingeschätzt. Die Fachleute dieses Hauses haben die Anleiheschulden des Landes jetzt von "Untergewichtung" auf "Marktgewichtung" angehoben.

Dieser Schritt wurde mit zunehmenden Vertrauen sowohl im Hinblick auf den Termin für Neuwahlen am 3. November begründet, als auch auf die zu erwartende Fortsetzung des Reformprozesses auch nach den Wahlen. Bei UBS Warburg wird in diesem Zusammenhang auf das Vertrauen in Wirtschaftsminister Kemal Dervis hingewiesen. Dieser genießt sowohl bei westlichen Banken, als auch beim IWF als Finanzfachmann große Anerkennung. Dervis, der an den entscheidenden Finanzierungs-Verhandlungen mit dem IWF maßgeblich beteiligt war, hat gemeinsam mit dem früheren türkischen Außenminister Ismail Cem zu Beginn dieser Woche die "Partei für eine neue Türkei" gegründet.

"Märkte bleiben volatil"

"Die Finanzmärkte in der Türkei werden volatil bleiben, weil die Unsicherheit anhalten wird", sagt Giancarlo Perasso vom WestLB Research. Sollten die anstehenden Wahlen eine reformfreudige Regierungskoalition bringen, die von den Wählern ein klares Mandat für den EU-Beitritt erhält, seien die Aussichten für eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit des Landes positiv einzuschätzen, sagt Eisinger. Alexander Karpov, Fondsmanager von Union Investment in Frankfurt, zeigt sich im Hinblick auf einen raschen EU-Beitritt dagegen eher skeptisch.

"Wegen der politischen Instabilität lässt sich die Türkei als Anlageland schwer prognostizieren", sagt er. Anlegern sei zu empfehlen, Türkei-Aktien unterzugewichten. Privatinvestoren sollten die Türkei in ihren Portefeuilles über spezielle Länderfonds abdecken. Für eine Fondsgesellschaft sei es am interessantesten, den türkischen Aktienmarkt über den Erwerb der Aktien großer Holdinggesellschaften abzubilden. "Wir konzentrieren unser Engagement im wesentlichen auf die großen Konglomerate", sagt der Fondsmanager. Wegen der breiten Streuung der Geschäftsinteressen dieser Unternehmen decke man weite Teile der Wirtschaft ab. Expressis verbis nennt Karpov die Aktien von Koc Holding und Sabanci Holding.

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