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Türkische Lira verliert nach Freigabe weiter an Boden

Reuters ISTANBUL/ANKARA. Die türkische Lira hat am Freitag ihre Talfahrt zum $ nach der Freigabe des Wechselkurses am Vortag fortgesetzt und damit den Druck auf das Krisenmanagement von Regierung und Zentralbank verstärkt. Bis Handelsschluss verlor die Währung weitere zehn Prozent und hat damit seit ihrer Freigabe insgesamt rund 36 % an Wert abgegeben.

Der $ verteuerte sich auf bis zu 1,2 Mill. Lira. Analysten zufolge wächst nun der Druck, die Inflation in den Griff zu bekommen, die mit dem Kursverfall tendenziell steigt. Die internationale Kreditagentur Standard & Poor's stufte die langfristige Kreditwürdigkeit der Türkei am Freitag herunter. Der stellvertretende Ministerpräsident Mesut Yilmaz kündigte unterdessen wirtschaftspolitische Reformen an. US-Präsident George Bush betonte die Bedeutung einer Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die türkischen Aktienmärkte setzten am Freitag ihre Erholung nach dem heftigen Kursrutsch zu Wochenbeginn fort. Der Haupt-Aktienindex der Börse in Istanbul schloss am Freitag 5,76 % im Plus und hat damit seit der Freigabe des Wechselkurses insgesamt 16,21 % zugelegt. Zu Wochenbeginn waren die Aktienkurse im Gefolge der sprunghaft gestiegenen türkischen Zinssätze noch um rund ein Drittel eingebrochen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte die türkische Regierung den Wechselkurs freigegeben, nachdem ein Streit in der Staatsspitze am Montag die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt hatte. Bislang war der Kurs der türkischen Währung fest an einen Korb aus Euro und $ gebunden. In den vergangenen Tagen war dieser Fixkurs jedoch massiv unter Druck geraten, nachdem ausländische wie inländische Banken wegen der politischen Streitigkeiten verstärkt in harte Währungen wie $ und Euro geflüchtet waren. In der Spitze waren dabei Lira im Volumen von 7,6 Mrd. $ verkauft worden.

Experten zufolge ist mit der Freigabe der Lira auf der einen Seite der Druck von Zinsen und Aktienmärkten gewichen. Andererseits wächst jedoch mit der starken Abwertung die Gefahr, dass in $ verschuldete türkische Banken ebenso wie die Regierung mit ihren Auslandsschulden in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten.

Auch der Kampf gegen die Inflation wird mit der Abwertung zunehmend schwierig, da eine Abwertung die Preise unter anderem über verteuerte Importe nach oben treibt. Gerade die Eindämmung der Inflation hatte sich die Regierung jedoch als vorrangiges wirtschaftspolitisches Ziel auf die Fahnen geschrieben, um sich von dem IWF zugesagte Kredite in Milliardenhöhe zu sichern.

US-Präsident Bush sprach dem türkischen Ministerpräsident Bülent Ecevit am Freitag in einem Telefonat seine Unterstützung aus und betonte, es sei wichtig mit dem IWF zusammenzuarbeiten. Der stellvertretende Ministerpräsident Mesut Yilmaz kündigte am Freitag unterdessen wirtschaftliche und geldpolitische Reformen an.

Ein wichtiger Punkt werde die Einführung eines Inflationsziels sein. Am Samstag wird die Bankenaufsicht des Landes mit Vertretern der Zentralbank, des Finanzministeriums und türkischen Privatbanken zusammentreffen, um über die Situation zu beraten.

Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte angesichts der deutlichen Abwertung der Lira am Freitag die lang- und kurzfristigen Bonitätsbeurteilungen für die Türkei. Das langfristige Kreditrating wurde auf "B" von "B+" und das kurzfristige Rating auf "C" von "B" zurückgestuft.

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