Türkisches Team
Chaos-Verwalter im Regen

Dreizehn Feldspieler und ein Torwart stehen dem türkischen Nationaltrainer Fatih Terim im Halbfinale noch zur Verfügung. Einige seiner wichtigsten Spieler sind entweder verletzt oder gesperrt. Dennoch sind die Deutschen gewarnt: Der türkische Trainer ist unberechenbar.

WIEN. Sieht nicht gut aus für Fatih Terim und seine Jungs, ganz und gar nicht. Von Westen rollen Cumulonimben auf Basel heran, wassertröpfchenschwere Gewitterwolken. Meteorologen haben errechnet, dass pünktlich zum Beginn des Halbfinales zwischen der Türkei und Deutschland starker Regen fällt. Dem christlichen Volk gruselt es gern vor dieser Form heftigster Regenentladung, sie erinnert an frühere Sünden, im Volksmund heißt es: Sintflut.

Einen Moslem schreckt der Regen nicht. Naturgemäß nicht, er ist schließlich ein Mann. Und weil der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed zwar 23 Jahre lang Göttliches offenbarte, eine Geschichte wie im Alten Testament über die Überflutung der Welt aber fehlt, könnte Fatih Terim die Wettervorhersage getrost ignorieren.

Selbst aber dem Mann mit dem stolzen Brusthaar unterm geöffneten Hemd wird es schwer fallen, das Spiel gegen die Schweiz zu vergessen. Kurz nach Anpfiff regnete es sintflutgleich, nach 32 Minuten lagen seine Männer 0:1 zurück und hätte der Regen nicht aufgehört, wären sie schnurstracks in ihre zweite Vorrunden-Niederlage geschlittert. So wenig kamen sie mit dem ganzen Wasser klar. Genauso wenig mit der abkühlenden Wirkung des Regens. Hamit Altintop hat vorgestern erzählt, dass der Trainer in der Kabine geflucht habe bis sich die Spielerbänke bogen und die Temperaturen der Gemüter wieder der des Trainers entsprachen. "Er hat furchtbar laut geschrien. Aber manche Spieler brauchen den Tritt in den Hintern." Vorausgesagt wird auch für heute ein kleiner Sturz von 29 auf 22 Grad. Altintop hofft, "dass wir dieses Mal vielleicht in Führung gehen. Dann könnte Terim sich wenigstens in der Halbzeitpause mal abregen. In diesen 15 Minuten knallt es bei uns so heftig, dagegen waren die Ansprachen von Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 zaghaft."

Wahrscheinlich ist das aber nicht. Fünf Spieler haben sich verletzt abgemeldet, drei sind Gelb-gesperrt, einer, Stammtorhüter Volkan Demirel, sitzt sein zweites Spiel Sperre nach einer Roten Karte ab. Bleiben noch dreizehn Feldspieler - und ein Torwart, Tolga Zengin. Terim hat ein Gesuch auf Nachnominierung von Spielern bei der Uefa abgelehnt, die aber hätte es sowieso blockiert. So muss sich Tolga auf einen Einsatz gefasst machen. Die fehlende Feldspiel-Begabung des 24-Jährigen schreckt Terim nicht. "Wir können uns nicht mehr den Luxus erlauben, dass sich die Spieler aussuchen, wo sie spielen wollen", haben türkische Medien den 54-Jährigen zitiert. "Als Einwechselspieler könnte er zum Ende der Partie als letzter Mann oder Mittelstürmer zum Einsatz kommen." Bestätigt hat Terim diese Aussage nicht.

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