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TUI auf Achterbahnfahrt - Übernahme oder Hedge-Fonds-Offensive

(dpa-AFX) Frankfurt/Hannover - Wilde Spekulationen um eine bevorstehende Übernahme oder einen Vorstoß von Hedge-Fonds haben die Aktie des größten europäischen Tourismuskonzerns TUI < TUI.ETR > in der vergangenen Woche auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Am Wochenanfang dümpelte das Papier noch am unteren Ende des Leitindexes DAX < DAX.ETR > . Seit Mittwoch stürmte es dann mit Gewinnen von fast 13 Prozent an die Index-Spitze. Auslöser für den Kurssprung war eine Meldung, dass die US-Investmentbank Morgan Stanley ihre Beteiligung an der TUI auf 10,1 Prozent fast verdoppelt hat. Am Freitag stellte dann TUI-Chef Michael Frenzel den geplanten Börsengang der Schifffahrts-Tochter Hapag Lloyd in Frage und sorgte damit für neue Aufregung.

(dpa-AFX) Frankfurt/Hannover - Wilde Spekulationen um eine bevorstehende Übernahme oder einen Vorstoß von Hedge-Fonds haben die Aktie des größten europäischen Tourismuskonzerns TUI < TUI.ETR > in der vergangenen Woche auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Am Wochenanfang dümpelte das Papier noch am unteren Ende des Leitindexes DAX < DAX.ETR > . Seit Mittwoch stürmte es dann mit Gewinnen von fast 13 Prozent an die Index-Spitze. Auslöser für den Kurssprung war eine Meldung, dass die US-Investmentbank Morgan Stanley ihre Beteiligung an der TUI auf 10,1 Prozent fast verdoppelt hat. Am Freitag stellte dann TUI-Chef Michael Frenzel den geplanten Börsengang der Schifffahrts-Tochter Hapag Lloyd in Frage und sorgte damit für neue Aufregung.

Allein die Marktbedingungen würden über den Börsengang der Tochter entscheiden, sagte Frenzel am Rande einer Moskau-Reise. Die Aussage darf nach Ansicht von unternehmensnahen Kreisen nicht überschätzt werden. "Herr Frenzel ist der Franz Beckenbauer der Wirtschaft: Er sagt heute das Gegenteil von dem, was er gestern gesagt hat", sagt ein Unternehmenskenner. Seiner Meinung nach werde erst "um fünf vor zwölf" entschieden, ob die Tochter an die Börse geht. "Die Lage an der Börse ist derzeit schwierig und unsicher." Die Alternative wäre, die Tochter - oder zumindest Teile der Sparte - zu verkaufen. "Die Option, die mehr Geld bringt, wird am Ende gewinnen."

'Börsengang Gerne - Aber Nicht ZU Jedem Preis'

Analyst Viktor Hund von der Baden Bank-Württembergischen sagte, er könne die Vorsicht der Konzernführung nachvollziehen. Die Börsengänge der jüngsten Zeit wie etwa der der Postbank < DPB.ETR > sei nur unter Schwierigkeiten und mit niedrigeren Preisen als erwartet zustande gekommen. "Bei der TUI hat man schon immer gesagt: Börsengang gerne, aber nicht zu jedem Preis." Analystin Oana Floares von Helaba Trust betonte, auch eine Absage des Börsengangs sei "nicht schlimm". Die Logistik-Sparte laufe so gut, dass TUI auch über die operativen Beiträge der Tochter ihre Schulden abbauen könnte. "Das dauert länger, wird aber funktionieren."

Für Verwirrung und Ratlosigkeit sorgte der Vorstoß von Morgan Stanley - vor allem im Konzern selbst. "Es gab keine Vorwarnung", sagte TUI-Chef Michael Frenzel zu der ungewöhnlich hohen Beteiligungs-Aufstockung. Das Unternehmen wisse "definitiv nicht", welche Absicht dahinter stecke. Der Konzern selbst und der Markt schließen allerdings auch einen Übernahmeversuch nicht aus. Für Analyst Hund wäre er plausibel. "Die TUI ist durchaus ein interessantes Ziel." Die Westlb wolle ihre Anteile von mehr als 31 Prozent verkaufen. Zusammen mit dem Paket von Morgan Stanley hätte ein Interessent gute Chancen, die restlichen notwendigen Anteile im freien Handel zu bekommen.

Abspaltung VON Reisesparte Möglich

Vor allem der Logistikbereich ist seiner Meinung nach für potenzielle Käufer interessant. "Es könnte passieren, dass dann andersherum als jetzt von der TUI geplant, die Tourismussparte abgespalten wird." Bei der lahmenden Reisebranche sei die Touristiksparte für Investoren nicht interessant.

Die Möglichkeit einer Aufspaltung schließt auch Helaba-Analystin Floares nicht aus. "Alles ist möglich." Zunächst bleibe aber abzuwarten, ob und wann sich Morgan Stanley wieder melde. Sollte die Bank bereits weiter zukaufen, muss sie erst eine Beteiligung von 25 Prozent wieder öffentlich bekannt geben. Morgan Stanley selbst äußerte sich nicht zu den Gründen der Aufstockung. Und auch am Markt genannte mögliche Auftraggeber wie Oetker und Tchibo halten sich bedeckt.

Zu möglichen Abwehrmaßnahmen sagte TUI nichts. Kreise behaupten allerdings, dass derzeit keine konkreten Maßnahmen geplant seien. "Wenn man nicht weiß, ob der Angriff von vorne oder hinten kommt, weiß man auch nicht, wohin man sein Schutzschild halten soll", hieß es.

Bei TUI glaubt man laut einem Insider am ehesten, dass Hedge-Fonds hinter dem Vorstoß der US-Bank stecken. Spekuliert wird, dass der Großteil des gemeldeten Aktienpakets aus geliehenen Aktien besteht, die Morgan Stanley an Investoren verleiht, die wiederum auf ein Sinken des TUI-Kurses setzen. Nach Ansicht von Tourismusexperte Karl Born, früher selbst im TUI-Vorstand, wäre dies allerdings für TUI alles andere als beruhigend. "Wenn die Leute auf meinen Niedergang wetten, würde ich mir noch mehr Gedanken machen, als wenn eine feindliche Übernahme bevorsteht." Für das Image des Konzerns wäre das in jedem Fall schlecht. Zudem rücke dann ein bereits im Raum stehender Rauswurf aus dem DAX < DAX.ETR > noch näher. "Und dieser wäre für die TUI ein herber Rückschlag."

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