Tui erwägt neue Marke zum Verkauf von Rest- und Überkapazitäten
Reisebranche setzt auf Preiskampf und Sparkurs

Mit immer schärfen Einschnitten und aggressiven Billigangeboten suchen die großen europäischen Reisekonzerne vor einem drohenden Irak-Krieg den Weg aus der tiefen Tourismuskrise. Marktführer Tui arbeitet angesichts drastischer Umsatzeinbußen an einem "erheblichen Paket", das die Kosten um mehr als 100 Mill. ? drücken könnte, sagte Vorstandschef Michael Frenzel am Wochenende auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin. Auch Konkurrent Thomas Cook hält sich nach dem Start eines 250-Millionen- Euro-Sparprogramms für weitere Kosten-Senkungen bereit.

HB/dpa BERLIN. "Wenn wir gezwungen wären, unsere Kapazitäten für Flüge und Hotels weiter zu reduzieren, würde sich ein noch größeres Einsparvolumen ergeben", sagte Vorstandschef Stefan Pichler.

Getrieben werden beide Konzerne vor allem durch die sich verschärfende Marktschwäche. Tui rutscht nach den Umsatzeinbußen 2002 zurzeit weiter ab. Der gebuchte Umsatz liege um "gut 6 %" unter dem Wert des Vorjahres, sagte Frenzel. Der Konzern-Rückstand sei "nicht unbedingt" direkt auf das Ergebnis übertragbar.

Möglicherweise kommt es bei der Tui zu einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen. "Wir drehen jeden Stein um im Konzern und sehen uns Sach- und Personalkosten an", sagte Frenzel. Details würden derzeit kalkuliert. Frenzel hatte bereits 2002 die Kostenschraube massiv angezogen und 160 Mill. ? gespart. Im Januar verschärfte er die Kostensenkung um weitere 111 Mill. ?. Dabei werden auch 1000 Stellen gestrichen.

Besonders in den beiden wichtigsten Tui-Märkten Deutschland und Großbritannien halten sich die Menschen zurück. In Deutschland liegt der Umsatz für den Sommer um 12 % unter Vorjahr, in Großbritannien zwischen zehn und 12 %. Frenzel sagte: "Die Rückgänge sind ernst zu nehmen, aber keine Katastrophe." Es gebe einen Buchungsrückstau, der nach dem Ende des Irak-Konfliktes für ein anziehendes Geschäft sorgen werde.

Die Preise für Reisen der Marke Tui werden in Deutschland aber nicht flächendeckend sinken. Es werde nur gezielt preiswertere Angebote geben, die sich auf schwach gebuchte Wochen oder einzelne Tage beschränkten. Um den Ertrag zu sichern, werde mit den großen Hotelpartnern nachverhandelt, sagte Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher. Gleichzeitig will Frenzel seine deutsche Billigmarke 1-2-Fly noch preisaggressiver machen, um Marktanteile zu gewinnen. Außerdem wird erwogen, eine neue Marke zum Verkauf von Rest- und Überkapazitäten zu etablieren.

Auch Thomas Cook will über seine Hauptmarke mehr Preisaktionen starten. "Neckermann wird angreifen", sagte Pichler. Derzeit gebe es alle vier Wochen eine Zeitung mit Sonderangeboten. "Wir haben die Low-Cost-Pauschalreise schon: Neckermann." Weiter würden Last-Minute- Angebote und Restkapazitäten über Handelsketten verkauft. Markenprodukte des Konzerns in Supermärkten anzubieten, komme aber nicht in Frage. "Die Qualität unserer Mitarbeiter gibt es nicht auf dem Wühltisch." Angesichts schwacher Buchungen und der unsicheren weltpolitischen Lage hat die Lufthansa-Karstadt-Tochter für dieses Jahr bereits Kostensenkungen von 250 Mill. ? verhängt, um ein positives operatives Ergebnis zu erreichen.

Wegen der Irak-Krise befürchten auch die stark wachsenden Billigfluglinien Probleme. Zwar seien ihre Flugrouten von möglichen Sperrungen des Luftraums nicht betroffen, sagte Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein bei einer Veranstaltung des Hessischen Rundfunks. Eine vorübergehende Kaufzurückhaltung würde aber zu spüren sein.

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