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TUI gibt optimistischen Ausblick für 2004 - Weiter Übernahme-Gefahr

(dpa-AFX) Hannover - Europas größter Touristikkonzern TUI < TUI.ETR > hat im zweiten Quartal von der wieder anziehenden Reiselust profitiert und erstmals eine konkrete Ergebnisprognose für das laufende Gesamtjahr präsentiert.

(dpa-AFX) Hannover - Europas größter Touristikkonzern TUI < TUI.ETR > hat im zweiten Quartal von der wieder anziehenden Reiselust profitiert und erstmals eine konkrete Ergebnisprognose für das laufende Gesamtjahr präsentiert.

Auch für die zweite Jahreshälfte zeigt sich das hannoversche Unternehmen optimistisch, fürchtet aber weiter eine Übernahme nach den jüngsten Kursverlusten und einer Anteilsaufstockung durch die Investmentbank Morgan Stanley. Beim geplanten Börsengang der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd sieht sich TUI unterdessen weiterhin nicht unter Druck. Die Aktie war am Donnerstagmittag Spitzenreiter im Leitindex DAX < DAX.ETR > .

Wie die TUI AG am Morgen in Hannover mitgeteilt hatte, dürfte die Kernsparte Touristik im Geschäftsjahr 2004 ein um mindestens 70 Prozent besseres Ergebnis (2003: 208 Mio Euro) erzielen. Konzernweit erwartet TUI ein bereinigtes Ebta (Ergebnis vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen) aller Sparten von mindestens 420 (242) Millionen Euro. TUI-Vorstandschef Michael Frenzel sagte, er sehe dabei "Spielraum nach oben". Damit gab TUI zum ersten Mal seit langem überhaupt wieder einen konkreten Jahresausblick.

Ergebnisse Über Erwartungen

Im zweiten Jahresviertel stieg das konzernweite bereinigte Ebta überraschend stark auf 112 Millionen Euro nach einem Verlust von 29 Millionen Euro im Vorjahr. Im zweiten Quartal 2003 hatte TUI in der Touristik besonders mit den Folgen des Irakkriegs und der Lungenkrankheit Sars zu kämpfen, beim Konzernergebnis aber vor allem vom Verkauf der Energiesparte profitiert. Analysten hatten im nun abgelaufenen Quartal im Schnitt mit 92,66 Millionen Euro gerechnet. Der Konzernumsatz sank auf 4,54 (Vorjahr: 5,044) Milliarden Euro. Hier hatten Analysten 4,52 Milliarden Euro prognostiziert. Das Ergebnis der Touristik-Sparte stieg auf 100 (53) Millionen Euro, während der Umsatz um 2,1 Prozent auf 3,30 Milliarden Euro zulegte.

TUI-Chef Frenzel sieht in den Ergebnissen ein "deutliches Signal an den Markt, dass sich die Geschäfte des Konzerns signifikant verbessert haben". Das Unternehmen hat die Eckdaten zur Geschäftsentwicklung angesichts von Übernahme-Spekulationen eine Woche früher als geplant veröffentlicht. Zur Gefahr einer Übernahmne sagte Frenzel in Hannover vor Journalisten: "Das Thema ist noch nicht vom Tisch." Morgan Stanley hatte ihr Aktienpaket vergangene Woche auf mehr als 10 Prozent verdoppelt und damit die Übernahmegerüchte ausgelöst. Frenzel sagte, er habe keine neuen Erkenntnisse darüber, was die Investmentbank vorhabe. TUI warte die Entwicklung ab, werde sich aber mit Alternativen befassen.

Frenzel Sieht Chancen FÜR DAX-Verbleib

Wie TUI weiter mitteilte, seien wegen der starken Nachfrage die Hauptreisezeit im dritten Quartal sowie der Oktober bereits gut gebucht. Im Juli seien die Buchungszahlen um 10 Prozent gestiegen, sagte Frenzel. Als Ergebnis zeichne sich auch eine bessere Auslastung der Flug- und Hotelkapazitäten ab.

TUI Deutschland hatte erst vor zwei Tagen von einem starken Aufschwung berichtet und für das laufende Jahr einen deutlichen Gewinn angekündigt. Gerade der deutsche Markt hatte seit drei Jahren unter der schwachen Konjunktur gelitten. Auch der zum Tourismuskonzern Thomas Cook < LHA.ETR > < KAR.ETR > gehörende Neckermann-Reisen hatte jüngst zweistellige Zuwachsraten für die Sommersaisan gemeldet. Beim Kernprodukt Neckermann-Flugreisen sei die Gästezahl um 22,5 Prozent gestiegen.

TUI Will Nicht AUS DAX Rausfallen

Nach Einschätzung einiger Unternehmensbeobachter will TUI mit der Vorlage vorzeitigen Bekanntgabe der positiv ausgefallenen Geschäftszahlen den Aktienkurs in die Höhe treiben und so den drohenden DAX-Abstieg verhindern. TUI lag bei der Marktkapitalisierung zuletzt auf Platz 37 und muss bis Ende August zumindest auf Rang 35 vorrücken. Der Kursverlust der TUI-Aktie von deutlich mehr als 10 Prozent seit Jahresbeginn ist nach Einschätzung von Frenzel durch Spekulationen ausgelöst worden. Hedge-Fonds seien mit großen Volumen am Markt und würden auf fallende Kurse spekulieren. Der aktuelle Aktienkurs spiegele nicht die Entwicklung von TUI wider, sagte der Vorstandschef. "Wir sehen Chancen für einen Verbleich im DAX."

Nach der Bilanzvorlage stieg der Kurs bis zum Mittag um 6,76 Prozent auf 15,16 Euro. Zwischenzeitlich hatte sich der Titel um etwa 10 Prozent verteuert. Die Zahlen lägen über den Erwartungen, weil sich das Tourismusgeschäft positiv entwickelt habe, sagte Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Zudem hoben Experten den positiven Ausblick hervor.

Vorbereitung FÜR Börsengang Geht Weiter

Neben dem Kerngeschäft Touristik erwartet TUI auch im Geschäftsbereich Schifffahrt eine positive Entwicklung im zweiten Halbjahr. "Das wirtschaftliche Umfeld und die eigene starke Position im Wettbewerb lassen ein weiteres Wachstum der Transportmengen erwarten", meldete TUI.

Der Umsatz in der Schifffahrt-Sparte sank im zweiten Quartal nach dem Verkauf von Teilbereichen auf 864 Millionen Euro (Vorjahr: 953 Mio). Das Ergebnis lag mit 72 Millionen Euro dagegen über dem Niveau des Vorjahres (68 Mio).

Börsengang DER Schifffahrts-Tochter Hapag-Lloyd

Beim geplanten Börsengang der Schifffahrts-Tochter Hapag-Lloyd sieht sich der TUI-Chef nicht unter Druck. Die Vorbereitungen für den im Herbst angekündigten Börsengang von bis zu 49 Prozent der Anteile würden fortgeführt. Ob es am Ende dazu komme, sei allein von dem zu erzielenden Preis abhängig, sagte Frenzel. Wegen des schwachen Börsenumfelds hatte es zuletzt Spekulationen um eine Absage gegeben.

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