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TUI muss operative Stärke beweisen

vwd HANNOVER. Dem Reisekonzern TUI steht ein aufregendes Jahr ins Haus - auch unabhängig von den Auswirkungen der Beben-Katastrophe in Asien. Nachdem die Aktionärsstruktur nach lähmenden Monaten endlich geklärt ist, müssen Manager und Mitarbeiter die operativen Ergebnisse steigern. Es gibt einige Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht, weil im laufenden Jahr viel liegen geblieben ist. Durch neue Produkte und die Werbung neuer Kunden soll das touristische Kerngeschäft nach vorne gebracht werden. Außerdem müssen die geplanten Desinvestitionen kommen, damit Euroopas größter Touristikkonzern seinen Konzernumbau abschließen kann.

Die Neuordnung der Aktionärsstruktur hat in den Finanzmärkten ein gespaltenes Echo hervorgerufen. Einige Marktteilnehmer sind froh, dass das seit Jahren angebotene Aktienpaket der WestLB nun endlich Abnehmer gefunden hat. Andere bedauern, dass kein neuer strategischer Investor eingestiegen ist und in den kommenden Monaten für frischen Wind sorgt.

Der spanischen Familie Riu, die seit Jahren zum Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel gute Beziehungen unterhält und die nun in den Aufsichtsrat (AR) einzieht, erkennen einige Analysten keine "wirklich kontrollierende" Rolle im Kontrollgremium zu. Da der TUI-Vorstand vor allem dafür sorgen solle, dass die Riu-Hotels weltweit immer gut gefüllt seien, sei hier nicht mit Kritik zu rechnen.

Bisher hat sich die Zusammensetzung des AR nicht geändert. Die WestLB hat ihren Platz noch inne, die Familie Riu ihren Anspruch noch nicht angemeldet. Analysten gehen aber davon aus, dass 2005 ein Wechsel erfolgt. TUI scheint die jetzige Situation angenehm. Der Konzern drängt nicht auf eine Änderung. Andererseits würden die Hannoveraner ein Engagement von Riu im AR gerne sehen.

Da sich 90 Prozent aller TUI-Aktien im Streubesitz befinden, können Kleinaktionäre und institutionelle Investoren nur Einfluss nehmen, wenn sie ihre Anteile in einen Pool einbringen. Dafür gibt es derzeit aber keine Anzeichen. So wird im Markt damit gerechnet, dass Frenzel und seine Vorstandskollegen im kommenden Jahr den Konzern führen wie bisher.

Analyst Klaus Linde von SES Research bedauert dies. Er kritisiert die fehlende "ganzheitliche Vision" des Vorstandes. TUI präsentiere sich nicht als integrierter Tourismuskonzern, sondern immer nur in seinen Teilbereichen. Der Vorstand hätte deswegen gut daran getan, in den vergangenen Jahren das Unternehmen als "Rohdiamanten" zu sehen, der dringend geschliffen werden müsse. Nun sei für diese Herangehensweise die Zeit schon fast vorbei, da die Schifffahrt sehr gut laufe und das touristische Geschäft anspringe.

Analyst Eggert Kuls von M.M.Warburg ist anderer Meinung. Er ist bereit, dem Vorstand "Vorschusslorbeeren" zu geben. Denn der könne endlich seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und nach einigen schweren Jahren zeigen, dass die TUI mehr als nur die Kapitalkosten verdiene. TUI sei jetzt dem Markt vollständig ausgeliefert, habe kurzfristig alle Spielräume und kein Aktionär könnte Entscheidungen blockieren.

Desinvestitionsprogramm abschließen

Schon lange beschäftigt sich die TUI mit dem Verkauf nicht zum Kerngeschäft gehörender Bereiche und will den US-Stahlhandel und die Schienenlogistik vor Ende 2005 abgeben. Mit diesen Veräußerungen könnte sie die Verschuldung um eine Mrd Euro reduzieren, prognostiziert Kuls. Die Verkäufe sollen dazu beitragen, die Nettoschulden bis Ende 2005 auf unter 2 Mrd Euro zu reduzieren. So wird eine der Voraussetzungen geschaffen, ein Investment-Grade-Rating zu erhalten. Erhält die TUI kein Rating, erhöhen sich die Finanzierungskosten und wirken sich negativ auf das Ergebnis aus.

Hausaufgaben machen und Ziele quantifizieren

Hauptaufgabe des Vorstandes ist nach Einschätzung von Kuls die Steigerung des Touristik-Ergebnisses. Das Management habe bereits Einiges getan, das Ergebnis falle 2004 höher aus als im Vorjahr. Für 2005 rechnet der Analyst mit einer weiteren Steigerung. Als wichtigste Märkte bezeichnet er Deutschland und Großbritannien. Gerade in der letztgenannten Region müsse das Ergebnis nach oben getrieben werden.

Kuls kann sich im laufenden Jahr Zukäufe in der Touristik vorstellen. Wegen der hohen Risiken rechnet er aber nicht damit, dass diese Asien oder die USA betreffen, wie das Unternehmen es früher angedacht hatte. Im Bereich Schifffahrt muss sich TUI nach Einschätzung von Analysten keine Gedanken machen. Das Geschäft läuft nach wie vor gut und wird auch 2005 als Ertragsbringer angesehen.

Aufgabe des Vorstandes ist nach Einschätzung von Analysten auch die vermehrte Nennung von Planzielen. Bisher habe sich der Konzern hier immer schwer getan, sagt Linde. Dies sei aber unerlässlich, um den Erfolg der Arbeit kontrollieren zu können. Als Beispiel führt er die Restrukturierung des touristischen Geschäftes in Großbritannien an. Der Vorstandsvorsitzende Frenzel habe zwar gesagt, wie viel Geld er zur Verfügung stelle, das geplante Ergebnis aber nicht genannt. TUI sieht in dieser Vorgehensweise kein Manko und verweist auf die manchmal noch nicht abgeschlossene Planung bei der Bekanntgabe von Maßnahmen.

Zu den Baustellen, auf denen der Konzern tätig ist, rechnen Analysten auch die deutschen Fluglinien Hapag-Lloyd Flug (HLF) und Hapag Express-Lloyd (HLX). Kuls geht davon aus, dass die beiden Unternehmen zusammenwachsen und es mittelfristig nur noch eine Gesellschaft gibt. Der Billigflieger HLX werde weiter eingesetzt, um Kostensenkungs-Druck auf HLF auszuüben, sagt der Analyst. Denkbar sei, dass HLF langsam vom Konzern "ausgehungert" werde und das Gros der Investitionen künftig nur noch in HLX fließe. Bereits 2005 werde ein Großteil des Wachstum beim Billigflieger erfolgen.

Es bleibt viel zu tun

TUI will mit neuen Angeboten neue Kunden locken und beschäftigt sich stark mit den Themen Pauschalreise und Internetvertrieb. Da nicht davon auszugehen ist, dass der Reisemarkt an sich entscheidend wächst, müssen die Reisen immer besser auf die Kunden zugeschnitten werden. Im Sommer 2005 sind dies beispielsweise neue Angebote für Paare und Senioren.

TUI wird im laufenden Jahr aber nicht alle Themen abarbeiten, die auf der Agenda stehen. Kuls rechnet beispielweise damit, dass das strategische Ziel, auf anderen Kontintenten Fuß zu fassen, bis zum Jahresende 2005 noch nicht erreicht wird. TUI sieht darin kein Problem, denn die Entwicklung neuer Zielgebiete und Märkte sei ein Thema, das den Konzern "ein Leben lang" begleite. Auch Akquisitionen gehörten zum Tagesgeschäft.

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