TUI und Cook locken mit Reisen per Ratenzahlung
Konzerne bieten Urlaub auf Pump

Mallorca ist out, die Konjunktur im Keller - und die Buchungen erfolgen immer kurzfristiger. Mit Ferien auf Kredit wollen die großen Reisekonzerne die Flaute in den Griff bekommen.

hz FRANKFURT/M. Not macht erfinderisch. Was beim Erwerb eines Autos oder einer neuen Küche längst gang und gäbe ist, zieht angesichts der anhaltenden Buchungsflaute nun auch in der Reisebranche ein: die Möglichkeit der Ratenzahlung. Künftig locken auch die beiden Reisekonzerne Tui und Thomas Cook Kunden mit Urlaub auf Pump. Wer nicht genügend Geld auf der hohen Kante hat, kann sich den Traum von zwei Wochen Gran Canaria künftig finanzieren lassen.

Die Konzerne gehen in die Offensive, weil sich der Reisemarkt in Deutschland einfach nicht recht erholen will. Im abgelaufenen Touristikjahr klafft bei Buchungsrückgängen von rund 12 % noch immer eine große Lücke zu den Vorjahren. Vor allem Familien setzen angesichts der Wirtschaftslage weiter auf Balkonien statt auf Ballermann. Die Touristikbranche hofft, mit dem neuen Angebot die Reiselust anheizen zu können. Experten warnen allerdings, dass Ferien auf Raten für die Konzerne nicht ohne Risiken sind. Denn die Margen dürften dadurch nicht steigen.

Tui wolle lediglich eine andere Zahlungsvariante in den Markt stellen und schauen, ob das Unternehmen damit erfolgreich ist, sagte TUI-Deutschland-Geschäftsführer Volker Böttcher. Im Blick habe der Branchenprimus die Kunden, die einen kleinen Engpass überbrücken müssten. "Wir wissen, dass schon heute ein Teil unserer Kunden seinen Urlaub mit Krediten finanziert", betonte Böttcher. Dazu nutzten sie häufig das Girokonto mit hohen Zinssätzen, weil sie etwa verreisen wollten, bevor der Arbeitgeber das Urlaubsgeld überweist.

Abgeguckt hat sich Tui das Angebot von Europas drittgrößtem Reisekonzern Thomas Cook, dessen Veranstalter Neckermann damit kurz zuvor auf den Markt kam. Die Touristiktochter von Lufthansa und Karstadt-Quelle will mit dem neuen Angebot, das inzwischen auch auf den Billiganbieter Air Marin ausgeweitet wurde, von Januar nächsten Jahres an auf den Markt gehen.

Während die TUI als Finanzpartner eine Bank eingeschaltet hat, die das Risiko trägt, will Thomas Cook selbst als Kreditgeber fungieren und die Antragsteller im Schnelldurchlauf überprüfen. Gerät ein Kunde in Zahlungsnot, muss der Konzern allerdings das Geld selbst eintreiben.

Bei Tourismus-Analysten löst das neue Angebot deshalb keine Urlaubsfreude aus. Viele Experten befürchten, dass der Urlaub auf Pump die Margen der Konzerne drückt. So dürften nach Meinung von Analysten die Probleme mit säumigen Zahlern wachsen. Bisher mussten die Urlauber schon lange vor der Reise den gesamten Urlaub bezahlen. Nun erhalten die Konzerne bei Ratenzahlung die Summen erst Monate nach der Reise.

Dennoch werde der Urlaub auf Pump den Gewinn der Konzerne nicht wesentlich verwässern, glaubt Hartmut Moers, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. "Dafür ist der Markt für ein solches Angebot einfach zu klein."

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