Tumminellis Designkritik
BMW setzt auf die große Klappe

BMW will mit dem "Concept 5 Series Gran Turismo" schon wieder ein völlig neues Fahrzeugsegment entwickelt haben - eine Revolution des Limousinendesigns. Doch nichts ist neu an diesem BMW, der in Genf vorgestellt wird.
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Das Auto des Jahres 1977 kam viel zu spät. Genau zehn Jahre zuvor hatte Paolo Martin, ein junges Talent der italienischen Pininfarina-Werke, mit seinem Konzept "Berlina Aerodinamica" das Limousinendesign revolutioniert. Fließend aerodynamisch ist der gelbe Wagen, mit einer flachen Front und einem steilen Heck, hinter dem sich ein riesiges Gepäckabteil verbirgt, der Innenraum ist rundum verglast. Radikal räumt der Designer, der einige Ferraris und den teuersten Serien Royce-Rolls seinerzeit zeichnet, mit dem traditionellen Bild der großen Familienkutsche auf. Progressiv nannte man sein Design - und erfolgreich das Geschäft. Nicht nur dass Citroen (GS, CX), Lancia (Beta, Gamma), Renault (20, 30), VW (Passat) in den 70er Jahren Pininfarinas Idee in die Großserie übernehmen. Das Fließheck wird zum Symbol des Wertewandels einer ganzen Generation - weg vom traditionellen Status, hin zum modernen Motus.

Der Weg wurde 1977 mit dem Rover 3500 vollendet. Was die britische Limousine heute noch so besonders macht, sind drei Eigenschaften, die man zunächst für nicht kombinierbar hält: Ein V8-Motor wie im Rolls-Royce, eine Heckklappe wie im VW Golf und eine GT-Linie wie im Ferrari-Daytona. Die britische Kombination aus Noblesse, Vernunft und sportliche Eleganz wurde von der Presse jubelnd aufgenommen und zu recht ausgezeichnet.

Doch für den progressiven Briten war es wahrlich zu spät. Die 80er Jahre brachten Ronald Reagan ins Weiße Haus und ältere Werte wieder ins Spiel. Gleichzeitig mit Nancys Bestellung eines Porzellanservices mit Goldrand war die gute alte Stufenheck-Limousine wieder en Vogue. Möge das Baumarkt-Volk weiterhin Holzdielen durch die Heckklappe laden. Die gehobene Gesellschaft sitzt lieber ungestört im Fond der Staatslimousine, ums Ladegut kümmert sie sich erst recht nicht.

Wer bis dahin der modischen Versuchung des Fließhecks nicht gefolgt war, wurde schnell belohnt. Mercedes-Benz, BMW und Jaguar behielten ihren gehobenen Status, andere verschwanden endgültig aus dem Oberklassen-Panorama - auch und vor allem Rover. So etwas vergisst man nicht. Stur hat die Branche seitdem ihre klassischen Limousinen weiterentwickelt. Nach wie vor werden sie gekauft, zuletzt mehrheitlich als Flottenfahrzeuge und Taxis.

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