Tumminellis Designkritik
Futuristisches Bubble-Bike

Wie sieht das Automobil der Zukunft aus? In Kalifornien steht das futuristische elektro-hybride Dreirad Aptera. Es ist eine Mischung aus Motorrad, Automobil und Flugzeug. Das Besondere des Zukunftsautos: Es soll ab nächstem Jahr verkauft werden.

Wie sieht das Automobil der Zukunft aus? Diese Frage ist spannend, denn überall auf der Welt machen sich Entwickler darüber Gedanken. Kalifornien ist hier Vorreiter. Denn mit dem Zero-Emissions-Vehicle-Gesetz, das zum Bau und Verkauf von emissionsfreien Fahrzeugen zwingt, hat das südwestliche amerikanische Land die zweite Mobilitätsrevolution in Gang gesetzt. Die erste begann in Detroit vor gut 100 Jahren mit dem Ziel, Kutsche und Pferde durch das Automobil zu ersetzen.

Alle Konzepte für das Automobil der Zukunft stammen aus Garagenfirmen mit kleinem Namen und großen Visionen – wie die von Benz, Ford und Olds vor hundert Jahren übrigens auch. Die heutige Geschichte liest sich nicht anders und ist erstaunlich lebendig. Steve Fambro gründete letztes Jahr mit Accelerated Composites ein Start-up-Unternehmen, mit dem er bei der diesjährigen TED-Conference, wo sich die cleversten Entwickler der Welt versammeln, einen ersten Prototyp seines Zukunftsautos Aptera zeigte.

Das ist an sich nichts Besonderes, denn man ist seit Jahrzehnten an die Vorstellung von vermeintlichen Zukunftsautos seitens der Größen der Branche gewöhnt. Der Unterschied hier ist aber, dass es das Auto bald zu kaufen gibt – Preise und Liefertermine wurden bereits bekanntgegeben. Ab Oktober 2008 soll es das Auto geben, Voraussetzung: eine Anzahlung von 500 US-Dollar.

26 900 beziehungsweise 29 900 US-Dollar muss man je nach Version ausgeben. Der Aptera ist mehr ein Motorrad in Form eines flügellosen Straßenflugzeugs (daher der Name, für Insekt ohne Flügel) als ein Automobil. Er kann zwei Personen befördern (zur Not eine dritte). Er hat Platz für fünfzehn Supermarkttaschen oder zwei Golfbags und verspricht dazu unglaublich geringe Verbrauchswerte: 200 Kilometer mit einer Batterieladung, weniger als ein Liter Kraftstoff soll er verbrauchen, wenn der Verbrennungsmotor dazugeschaltet wird.

Das Fahrzeug präsentiert sich kompromisslos futuristisch – und zwar im klassischen Sinne des Wortes, wie eine Entwicklung der frühen Visionen von Buckminster Fuller und Norman Bel Geddes. Nie wurden aus solchen Visionen mehr als Ausstellungsobjekte, im Falle von Aptera könnte das Schicksal auch ähnlich sein. Das superleichte Fahrzeug aus Verbundmaterialien verbindet die Ästhetik einer Boeing 737 mit der Statur eines Messerschmitt-Kabinenrollers (des berühmten deutschen Bubble-Car aus den 50er-Jahren). Einerseits zum Träumen, andererseits zur Eröffnung einer Diskussion, die enorm wichtig ist.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%