Tumminellis Designkritik
Ganz in Weiß

Hochglanz war auf der diesjährigen IAA fehl am Platz. Gekonnt stellten die Hersteller ihre Unschuld zur Schau – mit Modellen ganz in Weiß. Mit dem XK wollte Jaguar aus der Menge herausstechen und „den Beginn einer neuen Ära“ markieren.

Schade eigentlich, dass es die internationale Automobilausstellung nur alle zwei Jahre gibt, denn es ist spannend, wie sich die Hersteller künftig den Herausforderungen des Klimawandels stellen werden. Zu dem von den Grünen zu Recht kritisierten pseudo-ökologischen Ansatz der Frankfurter Veranstaltung kann man nur folgendes sagen: Die roten Flitzer sollten lieber zu Hause bleiben (die Präsenz war auch eher bescheiden), um die grünen Umweltretter zu gestalten, war nicht genug Zeit (das Ergebnis war entsprechend wenig überzeugend).

Als Zwischenlösung gab es eine weiße Messe, auf der die Hersteller ihre Unschuld gekonnt zu Schau gestellt haben. Der Kompressor-Bolide und das 10-Zylinder-Monster sehen in Weiß genau so harmlos aus, wie das kleine Mikrocar-Konzept UP! von Volkswagen und der bayerische Sparwagen Loremo.

Insgesamt vermittelte das überschwemmende Frankfurter Weiß das Gefühl, die Branche stehe ohne großen Mut, dafür aber schön chic da. Genau das könnte man vom XF sagen, der Premium-Limousine mit der Jaguar „in eine für die Marke neue Dimension“ stoßen will.

„Die viertürige Limousine strahlt den Reiz eines Coupés aus, bietet aber in einem zeitgemäßen und gänzlich eigenständigen Innenraum Platz für bis zu fünf Erwachsene.“ Der Satz steht genau so in der Pressemappe und ich frage mich, was denn daran neu ist. War Jaguar nicht schon immer die Marke der großen, schnellen Limousinen mit hohem Komfort und sportlichem Charakter?

So streng hat man sich an diesem Kredo festgehalten, dass der letzte wahre Jaguar, die 1968 eingeführte XJ 6/12 Serie (praktisch bis 1994 auf dem Markt) stets – und eigentlich lange genug – das Designvorbild war. Gefeiert wird also nicht der Beginn einer neuen Ära, sondern die vollkommene Instandsetzung der Markenuhr, die erst seit Einführung des Sportwagens XK 2006 wieder vorwärts tickt. Und das ist gut so, denn Jaguar war – zumindest für britische Verhältnisse – stets zukunftweisend.

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