Tumminellis Designkritik
Hybridmarke fürs Yellow Cab

Sie sind ein unverkennbarer Bestandteil des Stadtbildes: Die Yellow Cabs in New York. Jetzt werden abertausende der Taxis mit einem neuen Logo geschmückt, dessen Gestaltung genauso umstritten ist wie der Entstehungsprozess.

Sie sind eine Institution und zugleich unverkennbarer Bestandteil des Stadtbildes: Anders als das schwarze Londoner Pendant, das sowohl in der ursprünglichen als auch in der aktuellen Retroversion das noble Flair des Buckingham-Palastes zu vermitteln versucht, spiegelt das Yellow Cab alle Widersprüche New Yorks wider – vom Empire State Building bis zur Bronx.

Mittlerweile ist zwar der Checker Cab von den Straßen verschwunden, und der spätere, allgegenwärtige Chevrolet Caprice ist durch die Limousine der Marke Ford Crown Victoria ersetzt worden, doch die gelben Engel imponieren nach wie vor – vor allem ausländischen Touristen, mit Fullsize-Größe im Stil des American Way of Life.

Doch was ist von dem einstigen Vorzeigebild geblieben? Cab-typisch sind vor allem der schmuddelige Eindruck, die öligen dicken Kunstlederbezüge und die wackelige Sicherheitsabtrennung zum Fahrer – dem Kosmopoliten, der seinen Job dem einfachen Stadtplan Manhattans zu verdanken hat.

Einhundert Jahre alt sind die Yellow Cabs. Das wurde Anfang 2007 mit einer Ausstellung gefeiert, die das Taxi als Kulturgut inszenierte. In das Projekt involviert war auch Smart Design, eine der vielen Kreativschmieden der Metropole. Die Designer entwickelten ein Konzept für das Taxi der Zukunft, zu dem auch ein ad hoc entworfenes Markenbild gehörte.

Die Behörde, die „Taxi and Limousine Commission“, fand den schlichten Vorschlag zwar interessant, wünschte sich aber eine peppigere Version. Denn wenn schon Änderungen vorgenommen werden sollen, dann müssen sie auch auf Anhieb wahrgenommen werden. Smart Design setzte den Wunsch um – in Form eines unnötigen schwarzen Kreises, der den Buchstaben T absetzt.

Fast hätte man sich auf das neue Designkonzept geeinigt, da passierte jedoch etwas Unerwartetes. Wollf Olins, der weltberühmte und nicht unumstrittene Londoner Markendesigner (unter anderem Autor des Olympia-Logos für London 2012), veröffentlichte im Sommer das neue Erscheinungsbild für die Marke „New York City“. Die drei dicken Buchstaben „NYC“ bilden den Kern des flexibel einsetzbaren Markenzeichens.

Es erschien also logisch, beide Vorschläge zu verschmelzen. Das Resultat sieht nun schwarz auf gelb wie folgt aus: „NYC“ kommt von Wollf Olins, das „T“ von der Behörde und „AXI“ von Smart Design.

Mit etwas Ironie könnte man behaupten, dieses hybride Logo würde die kosmopolitische Identität New Yorks, des globalen „Melting Pot“, am besten widerspiegeln. In Wirklichkeit zeigt der Entwurf die kommunikative Hilflosigkeit aller Beteiligten. Denn die kleine, an der Vordertür angebrachte Schrift ist genauso wenig wichtig wie die Seitendekoration eines Zugwaggons. Die bekannte Silhouette und die grelle Signalfarbe der Taxis sind ein ausreichendes Markenzeichen: Einen gelben Crown Victoria auf der Fifth Avenue erkennt man auf einen Blick – genauso wie einen weißroten ICE im Hauptbahnhof.

Die peppigere Schrift bewirkt zudem wenig für die Servicequalität der Taxis sowie für die Umwelt. Die Stadt New York hätte besser in Hybridfahrzeuge investieren sollen als in ein neues Logo.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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