Tumminellis Designkritik
Kawasaki KLX 450R: Objekt der Begierde

Auf den ersten Blick scheint es nichts Frivoleres zu geben als ein buntes Geländemotorrad. Doch die neue Kawasaki ist nicht nur ein Vorbild überzeugender Baukunst, sie bietet auch optimale Funktionen im Detail.

In seinem Buch "Vers une Architecture" formuliert einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts, der aus dem Schweizer Kanton Neuenburg stammende le Corbusier, 1923 die Grundlage des Paradigmenwechsels der Moderne: Weg mit überflüssiger Schwere, weg mit lächerlichen Ornamenten, weg mit unnötigen Repräsentationsansprüchen.

Der Schweizer Vordenker kritisiert die "Augen, die nicht sehen" in einer Gesellschaft, die zur Konsum-Dekadenz neigt, anstatt in die Zukunft zu schauen. Automobile, Flugzeuge und Schiffe sieht er als Vorbilder für technisch sinnvolles, effizientes und menschengerechtes Design. Mit neuem Geist kämpft le Corbusier gegen die Reste des Eklektizismus und das biedere Art déco.

Schließlich geht es darum, moderne Lebensumstände für eine - damals bereits globalisierte - Metropolen-Gesellschaft zu schaffen. Mit Dogmatismus tut man sich heute schwer, und sogar le Corbusier, der für die Umsetzung der Unité d?Habitation, des Prototyps des Plattenbaus, später kritisiert wurde, milderte mit der Zeit seine Position. Er wurde expressiver und verstand, vom Menschen nicht nur die Körpermaße, sondern auch die Emotionen zu interpretieren.

Kein anderes Produkt muss auf gleiche Weise an die Körpergröße und Emotionen des Menschen angepasst sein wie ein Motorrad: Mensch und Maschine bilden eine Einheit. Damit diese perfekt ist, muss das Design stimmen. Es ist keine Frage des Stils, sondern es geht um Geometrie, Gewicht, Ergonomie. Haben Autos, Flugzeuge und Schiffe derart an Maß und Gewicht zugenommen, dass kaum mehr möglich ist, eine Korrespondenz zwischen den Funktionen festzustellen, so steht das Motorrad irgendwie als Maß aller Dinge da.

Doch dies gilt nicht für jedes Motorrad. Von Fortbewegungsmitteln zu Sport- und Spaßartikeln mutiert, haben viele Motorräder ihre Sinnhaftigkeit verloren. Als Beispiel sei erwähnt, dass die mit Abstand meistverkaufte Geländemaschine nicht nur sehr groß und relativ teuer ist, sondern vor allem schwer. Fast eine Vierteltonne bringt die BMW GS auf die Waage, so viel wie ein halbes Automobil von früher. Die Analogie mit den großen SUVs ist offensichtlich. Was gut für Repräsentationszwecke sein mag, kann - nicht nur auf Gelände - ziemlich gefährlich sein. Schnell merkt man, dass viel Unnötiges den Spaß verderben kann. Zu viel an Ausstattung ist eher hinderlich als hilfreich.

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