Tumminellis Designkritik
Klassik-Kanon bei der Canon EOS 5D Mark II

Spätestens seit dem Beginn des Web 2.0 gibt es keine Trennung mehr zwischen Konsumenten und Profi-Anwendern. Das hat jüngst wieder Canon auf der Photokina mit der digitalen Spiegelreflexkamera EOS 5D Mark II unter Beweis gestellt. Ihr bewährtes Erfolgsrezept: Obwohl nichts Neues zu sehen ist, steckt viel Neues drin. Und auch preislich hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell etwas getan.
  • 0



Spätestens seit dem Beginn des Web 2.0 gehört der Begriff „Consumer Electronics“ der Vergangenheit an. Heute stellen Verbraucher unaufgefordert Fotos und Videos ins Internet, über Portale wie Youtube, Flickr und Facebook. Hobby-Regisseure erreichen mit ihren Handyvideos so Kult- oder gar Kunststatus. Die Produktion von Bildern ist zu einer globalen Sportart geworden. Das definiert auch die Fähigkeiten von Geräten neu.

Die Digital-Imaging-Industrie entwickelt sich rasant. Die Trennung zwischen Konsumenten und Profi-Anwendern existiert nicht mehr – das zeigt beispielsweise die digitale Spiegelreflexkamera Canon EOS 5D Mark II. Die Serie I lag preislich im absoluten Profibereich, die neue Version ist die Schnittstelle zwischen Premium- und Massenmarkt. Ohne Objektiv kostet sie 2 500 Euro – teuer, aber nicht unerschwinglich.



Letztlich haben zwei Entwicklungen den klassischen Kanon beim Spiegelreflexkamera-Design geprägt: Einerseits die in den Achtzigerjahren auf den Markt gekommene Nikon F3, die Giorgetto Giugiaro bis ins letzte Detail durchdacht hatte. Ihr Erfolg war der Grund dafür, dass auch Canon einen externen Designer ins Boot holte. Die Wahl fiel auf den Deutschen Luigi Colani, der so viel Großartiges wie Zweifelhaftes vollbracht hat. Seine aus der Bionik abgeleitete Designphilosophieführte 1986 zu der Canon T90: ein weichgespültes schwarzes Gehäuse mit revolutionärer Ergonomie. Daraus entstand vor 20 Jahren die erste Canon EOS-1 – das Vorbild für heutige Kameras.

Die Colani-Form hat sich inzwischen als Standard etabliert. So wie bei der 5D Mark II: Sie sieht wie ein Profigerät aus. Natürlich ist sie schwarz, damit keine Reflektionen die Aufnahmen stören. Sie besitzt keinen integrierten Blitzer, denn die lassen sich günstig einkaufen. Und sie ist schwer. So etwas schreckt Verbraucher eigentlich ab – doch nicht im diesem Fall. Denn hinter dem klassischen Gehäuse verbirgt sich eine technische Sensation: Die Vollformatsensor-Kamera schafft 21 Mill. Pixel und kann auch Videos in hoher Auflösung aufnehmen. Sie profitiert vom großen Programm an Profi-Objektiven. Die 5D bricht mit den Marktregeln: Sie wendet sich an Verbraucher und Profis.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%