Tumminellis Designkritik
Komposter für die Küche

Schöner Müll durch Design: Die Firma Loofen stellt ein hübsches Gerät her, das Essensreste und Müll trocknet und kompakter macht, so dass diese nicht nur hygienischer aufbewahrt, sondern auch seltener entsorgt werden können.
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Über Müll kann man lange reden, gar philosophieren. Von den Deutschen wird beispielsweise berichtet, sie seien die einzigen Planetenbewohner, die ihren Müll, etwa einen Jogurtbecher, vor der Entsorgung schön sauber waschen. Sorgfältig getrennt landet der Müll dann in vielerlei bunte Behälter, die - ebenfalls sauber geordnet - demonstrativ zur Schau gestellt werden.

Zur Schau stellen auch die italienischen Bewohner am Ende Europas ihren Müll - doch auf andere Weise. Dort prägt Müll das Stadtbild, in Form von Haufen oder Bergen. Alle Sinne werden angeregt: Farbe, Geruch und Konsistenz sind spürbar. Hier Reifen, dort Waschmaschinen, überall Kartons, nur Organisches wird in das Ökosystem reintegriert. Mäuse, Hunde und Füchse kümmern sich darum.

Das mag viele stören. Für die Genfer Forscher des Instituts de la Durée ist das kulturelles Wahrnehmungsproblem. Für die Ökobilanz spielt keine Rolle, ob ein Automobil in der Verkaufshalle, einer Garage oder auf dem Schrottplatz liegt. Müll entsteht, sobald Energie und Rohstoffe unwiderruflich in nicht abbaubare Produkte umgewandelt werden, also direkt in der Fabrik.

Müll kostet erst dann Geld, wenn wir ihn entsorgen, egal in welcher Form. Das wurde Hee-ja Lee, eine Designerin-Hausfrau aus Seoul, klar. Sie störte der Kompostmüll in den eigenen vier Wänden sowie der tägliche Entsorgungszwang. Ihre Lösung, so banal wie genial, war die eigene Müllentsorgungsmaschine - ein Trockner, der leise und effizient sämtliche organischen Essensreste, einschließlich Knochen und Schalen, auf ein Fünftel ihrer ursprünglichen Masse reduziert. Aus dieser vielfach ausgezeichneten Produktidee entstand 2003 die Firma Loofen. Sie exportiert das Gerät inzwischen in den gesamten fernöstlichen Markt.

Markt- und Designrelevant ist vor allem das jüngste Produkt für den Haushaltbereich, der LF-07. Mit einer Kapazität von fünf Litern und mit einem 100 Watt-Motor ausgestattet, sorgt das Gerät, das so groß ist wie eine Espressomaschine, dafür, dass der Müll - statt täglich - nur noch zweimal in Monat entsorgt werden muss.

Für die neue Produkttypologie musste eine passende Designsprache gefunden werden. Das ist dem weiblichen CEO gut gelungen: Der weiße Würfel mit dem Bullauge erinnert an eine Waschmaschine - steht für Sauberkeit. Den Müllbehälter schiebt man hinein wie in einen Kühlschrank - Kodex für Hygiene und Haltbarkeit. Die typisch asiatische Farbkombination und der gewisse iPod-Touch lassen das Gerät einer jungen, weiblichen Zielgruppe schmecken. Ein Mülldesign, das überzeugt.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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