Tumminellis Designkritik
Nissan Cube: Süßer Kühlschrank auf Rädern

Sieben Jahre hat es gedauert: Nun kommt der Nissan Cube in einer für Europa überarbeiteten Version auch auf den deutschen Markt. Mit dem Modell ist den Japanern ein wahrer Designcoup gelungen. Ein Überblick.
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Das (Vor)Urteil über japanische Autohersteller lautet wie folgt: Mit Kamera ausgestattet, klauen sie Designideen aus Europa und bauen Autos, die weder viel besser fahren noch eine sonderlich gute Figur machen. Wer jedoch japanische Schöpfungen Revue passieren lässt, merkt schnell, wie sehr die Qualität japanischen Automobildesigns unterschätzt wurde.

Es gab Schönes wie Toyotas GT 2000, der 1965 den Vergleich mit Jaguar und Ferrari nicht hätte scheuen müssen. Es gab Trendiges wie Hondas Z. Der für die Surfer-Generation konzipierte Mikrowagen hätte in den 70ern sämtliche Volkswagen aus Italien blass erscheinen lassen. Und es gab Mutiges wie Mazdas MX-5: Nicht wegen der klassischen Form (eine Neuinterpretation des britischen Lotus Elan), sondern weil es sich um den ersten kleinen offenen Sportwagen seit Jahren handelte. Und zwar 1989, als jeder Hersteller meinte, das Segment sei ausgestorben. Der Mazda wurde zum erfolgreichsten Roadster der Automobilgeschichte.

Nischenfahrzeuge aus Japan bleiben oft ein Geheimtipp. Aus welchem Grund auch immer. Das ist auch bei dem Cube so. Mit dem 2002 eingeführten Modell ist Nissan ein wahrer Designcoup gelungen. Gegen den Trend wurde der „japanische Kühlschrank auf Rädern“ konzipiert, wie Giugiaro früher seinen Fiat Panda bezeichnete. Und zwar in einer primitiven Kastenform, die aus jedem Blickwinkel genauso ungezwungen wie süß erscheint.

Es handelt sich jedoch nicht um 08/15-Design, wie die ungewöhnlich asymmetrische, aufwendige Dachkonstruktion beweist. Einerseits viel Glas, um den toten Winkel zu verringern, andererseits ein dicker Pfosten, der die große Tür hält. Diese öffnet sich seitlich, so einfach wie eine Haustür – oder wie ein Kühlschrank eben. Innen empfängt eine durchgehende Sitzbank Fahrer und Beifahrer auf gemütliche Weise.

Der kleine Kultwagen (1,4 Liter Kubik, weniger als vier Meter lang) kostet umgerechnet 10 000 Euro und wurde in Japan zum Sofort-Hit. In den Westen kam er nie – trotz vieler Fans. Erst sieben Jahre später kam das Modell 2008 nach Genf in einer für Europa und die USA spiegelverkehrten Version: mit nach links öffnender Tür, jedoch leider ohne durchgehende Sitzbank. Und etwas üppiger ist der Kleine geworden.

Das richtige Auto zur richtigen Zeit, Vernunft ohne Verzicht, nach dem Motto: Langsam ist schön. Innen sorgen schöne Stoffe und Zen-artiges Design für Wohlgefühl. Bei 17 Stundenkilometern Durchschnittsgeschwindigkeit auf Stadtstraßen braucht man nicht mehr.

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