Tumminellis Designkritik
Podpidou-Rohr

Designer Nick Poulton hat für LaCie die ersten Fire-Wire-Lautsprecher der Welt gestaltet. Dabei hat er eine interessante Technik in die gewöhnlichen Mac-Ästhetik gesteckt. Das kommt einem Verlust von Identität und Individualität gleich und erinnert an das China Mao Tze Tungs.

Irgendwie kommen Designer nicht aus der Falle heraus. Dass der amerikanische Hersteller von Netzwerk- und Multimediazubehör LaCie seine neuen Lautsprecher – die vor allem für den Einsatz am Mac gedacht sind – in bewährter Mac-Ästhetik präsentiert, ist strategisch gesehen zwar nicht falsch. Immerhin steht ein Großteil der Gesellschaft auf den Partner-Look. Diese wohl verständliche Form der gesellschaftlichen Absicherung nach Maslow bedeutet auf der anderen Seite aber ein Verlust von Identität und Individualität.

Auf eine gesamte Bevölkerung übertragen, brächte uns dieses Prinzip auf Mao Tze Tungs China zurück – den kreativen Stillstand. Kein Wunder dass sich, zu jener Zeit, das Thema Marke nicht unmittelbar im Zentrum der Interesses befand. Wo Uniformität regiert, braucht man kein Zeichen der Differenzierung.

Da ist es nur konsequent, dass LaCies Lautsprecher kein sichtbares Markenlogo tragen. Vergessen wurde es bestimmt nicht. Apples Produkte sind auch nur sehr dezent markiert: Die eng definierte, mittlerweile allgegenwärtige Ästhetik gilt als Markenzeichen. LaCie beugt sich dem Herrscher und passt sich markentechnisch an. Nie sollte eine fremde Marke die magisch-hypnotische Atmosphäre des Apfelfelds stören!

Vorausgesetzt, dass die hübschen Lautsprecher eine sinnvolle Innovation voranbringen und einzigartig sind, fragt man sich, warum sich LaCie in der Flut der Ipod-me-toos verstecken will.

Liest man die Pressemeldung, so stellt man fest, dass dies gar nicht beabsichtigt war. Designer Nick Poulton nennt das Pariser Centre Pompidou als Inspirationsquelle: „Der Esplanade der Galerie entsprießen sporadische Linien sich auftürmender, verwundener Metallrohre.“ Das berühmte Werk von Richard Rogers und Renzo Piano entstand in den 70ern im Stil des Brutalismus jener Jahre. Mit dem Pompidou wurde ein neuer ästhetischer Kanon geprägt. Mit Hightech wird die Technik, als tragendes funktionelles Gerüst zelebriert – an den großen Designtrend der 80er erinnert heute noch jeder gläserne Aufzug.

LaCies süße Lautsprecher für 98 Euro sehen ja hübsch aus und sind technisch innovativ: Aus Podpidou kann man aber nicht so einfach Pompidou machen. Wer versucht, auf diese einfache Weise Mac-Ästhetik und Hightech zu verbinden, der verwechselt nicht nur Äpfel mit Birnen. LaCies verpasst vielmehr eine große Chance, eine eigene Marken-Identität fort zu entwickeln und sich dabei langsam aus der Mac-Falle zu befreien.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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