Tumminellis Designkritik
Rien ne va plus

Auf neutralem Boden lassen sich beim Genfer Automobilsalon Strategien und Produkte der Branche gut beurteilen. Das Ergebnis allerdings ist ernüchternd.

GENF. Gäbe es einen Wettbewerb für Messekonzepte, Platz eins gebührte dem Automobilsalon in Genf. Sprichwörtlich über der Autobahn gelegen, direkt am Flughafen sowie am Bahnhof, ist das verführerisch kleine Genfer Palexpo schnell erreichbar. Irrsinnige Markentempel wie bei der Frankfurter IAA sind verboten. Flach und offen sollen die Standflächen sein, und die Nutzung von Standard-Schildern ist Pflicht. So zwingt ein Land, das nie eine nennenswerte Automobilindustrie hatte, die Großen der Welt, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Da wirkt der Name Skoda genauso würdig wie Bentley.

Wie es sich für ein neutrales Land gehört, wird auch beim Automobilsalon seit jeher niemand ausgegrenzt. Als Autos noch kulturbedingte Unterschiede trugen, konnte man schön vergleichen: üppige Amis, schnittige Italiener, extravagante Franzosen, robuste Deutsche, niedliche Japaner, stilvolle Briten.

Fährt man heute die Rolltreppe hinauf, so steht man direkt vor feinen Boutiquen kleinerer Marken wie Pininfarina oder Giugiaro, die das Publikum am liebsten mag. Nicht die Großen, sondern die Kleinen werden bevorzugt – das ist mehr als fair. 78 Mal hat Genf das Versprechen gehalten. Doch dieses Jahr lohnt der Besuch nicht. Es passt ins Bild, dass zum ersten Mal seit 50 Jahren Bertone nicht in Genf vertreten ist. Die Abwesenheit des traditionsreichen italienischen Karosseriebauers ist nur verträglich, weil das Exponat keine Zukunftsvision, sondern ein Remake der Traumwagen-Reihe der 50er-Jahre gewesen wäre. Ein genauer Blick lohnt trotzdem.

Ansonsten gilt für Genf: Auch ein gutes Konzept kann Schwächen haben. So definiert sich die Qualität der Messe allein durch die Substanz der Exponate. Sind die strategischen Erneuerungsprogramme umgesetzt, will jeder Hersteller endlich mit dem auf Hochglanz polierten Portfolio beeindrucken. Doch es mangelt an Varianz: Alle Autos sind gleich hässlich beziehungsweise hübsch. Es gibt zu viele davon, und das Benchmarking ist zu eng. Ein Dutzend Modelle machen auf dem Welt-Basar noch Sinn, der Rest ist überflüssig.

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