Tumminellis Designkritik
Seabob: Delfin-Hülle mit High-Tech-Inhalt

Auf der Monaco-Yacht-Show am vergangenen Wochenende, der Parade der neuesten Superyachten, war der Seabob gewiss das kleinste „Boot“ im Angebot. Er kommt aus Stuttgart und beweist, dass vernünftiges, umweltfreundliches Design - made in Germany - auch Spaß bereiten kann.

Der Schiff- und Bootsmarkt boomt ununterbrochen, und die gute Laune ist weit und breit zu spüren. Das treibt die Vorstellungskraft und den Wahnsinn vieler Werften und Besitzer ins Skurrile. Selbst der Seabob, eine in Deutschland – genauer gesagt in Schwaben – entworfene und von der Firma Rotinor in Stuttgart produzierte „Funsport-Maschine“ wäre eigentlich nur ein überflüssiges Fortbewegungsmittel. Ideal zum Erleben eines multidimensionalen Wassererlebnisses – ob beim Tauchen, Cruisen oder beim einfachen Doof-zwischen-den-Yachten-Spielen –, ergänzt er aber auf perfekte Weise jene Form des Lifestyles, die sich nur die wenigsten leisten wollen.

Mit einem Preis ab 7 000 Euro ist das Sportgerät zwar nicht unerreichbar, aber auch nicht unbedingt eine sinnvolle Investition für jedermann. Warum dann an dieser Stelle darüber reden? Nicht um die Dekadenz der Konsumgesellschaft zu kritisieren, sondern um die Qualitäten des deutschen Designs zu preisen. Denn obwohl der Seabob wie ein lustiges Fun-Gerät aussieht, ist er das Ergebnis eines sinnvollen Designprozesses – an der ergonomisch und hydrodynamisch günstigen Formgebung erkennbar – und einer klugen Produktpositionierung: keine Masse, sondern Klasse.

In sich ist dieses Produkt ein wunderbares Beispiel dafür, was deutsche Firmen immer gut konnten: eine perfekte Synthese aus technologischem und ästhetischem Know-how. Die Technik hier ist mensch- und umweltgerecht. Der Elektromotor arbeitet kostengünstig, schadstoff- und nahezu geräuschfrei. Das durch zwei drucksensible Piezo-Tasten aktivierte, mikroprozessorgesteuerte Drei-Phasen-Sinus-Power-Management arbeitet intuitiv, fein und präzise. Das LCD-Informationsdisplay informiert über das Wesentliche mit vorbildlich klarer Grafik.

Ich bitte um Verzeihung für den technischen Jargon, aber er ist ein Teil der Freude, die man spürt, wenn man dieses Produkt analysiert. Einfach gesprochen heißt das: Hinter der freundlich-dynamischen Delfin-Hülle steckt jede Menge teure High Tech. Jedes Detail ist durchdacht, auf Überfluss wurde verzichtet.

Das Gesamtsystem kann 1 500 Stunden (also knapp über zwei Monate) unter Volllast störungs- und emissionsfrei arbeiten. Braucht man so viel Qualität? Die Antwort lautet: Ja, man braucht sie. Geräuschfreies, umweltschonendes, sicheres Fahren, dazu robuste, wartungsfreie, nutzerfreundliche Technik und eine sinnvoll optimierte, objektiv kaum kritisierbare Form. Koste es, was es koste. Warum gibt es nicht so ein Auto, so ein Motorrad, mit einem wahrhaftig „designed and made in Germany“?

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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