Tumminellis Designkritik
Skype mich an

SMC Networks und Skype bringen das Skypephone für die Internet-Telefonie auf den Markt – ein handyähnliches Gerät, das aussieht wie ein iPod. Die Täuschung macht Sinn und wird nicht stören.

So visionär wie Steve Jobs auch sein mag, einen Traum seiner Fans hat er bislang nicht erfüllen können: Seit Jahren sehnen sich Millionen Opfer der Apfelmarke nach einem iPod-Handy. Das kleine Weiße, das alle so lieben, kann vieles, nur nicht kommunizieren.

Am liebsten kommunizieren Apple-Fans am Rechner über Skype. Das Ebay-Unternehmen bietet die Möglichkeit einer multidimensionalen Kommunikation: Man kann nicht nur chatten und sprechen, sondern auch gleichzeitig Dateien, Bilder, Töne und Videos austauschen und bei entsprechender Ausrüstung sich in die Augen schauen. Alles passiert in Real Time, so dass sich mittlerweile eine neue Kommunikationskunst entwickelt hat: Skype-Profis überraschen mit einem multimedialen Feuerwerk und zeigen dabei, welches Potenzial im System steckt.

Um ein noch breiteres Publikum zu erreichen – immerhin hat Skype über 100 Millionen registrierte Nutzer, wovon etwa acht Millionen zu jeder gegebenen Zeit online zu sein scheinen –, brauchte der Anbieter nur eins: die Dienstleistung vom Rechner zu entkoppeln und über ein mobiles, handyähnliches Gerät verfügbar zu machen.

Die Strategie wurde klug umgesetzt: Während Skype sich weiterhin auf das virtuelle Kerngeschäft konzentriert, tragen andere Firmen die Investitionen und die Risiken der Entwicklung und Vermarktung der neuen Kommunikationsgeräte. Dort, wo ein frei zugängliches, drahtloses Netzwerk zur Verfügung steht, wählen sich die Skypephone genannten Geräte automatisch ein. Auf dem farbigen Display erscheint eine Liste der Skype-Kontakte, die kostenlos erreicht werden können. Alternativ kann zu (zum Teil) sehr günstigen Konditionen jede Telefonnummer auf der Erde gewählt werden. So einfach wie mit einem guten, alten Telefon. Die besagte Multimedialität wird der ambitionierte Skype-Nutzer jedoch vermissen.

Mit einem Designtrick schaffen es die Hersteller, das Gerät in einem eigenständigen Segment zu positionieren. Eine schmucke weiße Hülle in geliebter Apple-Ästhetik macht Skypephones zu einem Hybrid zwischen Handy und iPod – als ob die Idee von Mr. Jobs käme.

Die Idee, die iPod-Identität zu übernehmen, hatte jedoch nicht nur SMC Networks, Hersteller des WSKP 100, wofür gegenwärtig in Kooperation mit Skype massiv geworben wird, sondern auch Konkurrent Netgear. Dieser bietet ein in der Funktion ähnliches Gerät – ebenfalls ein weißes iPod-Imitat.

Die Täuschung macht Sinn und wird nicht stören. Zum einen war es notwendig, Skypephones von den herkömmlichen Handys eindeutig abzugrenzen. Schließlich steht die Internet-Telefonie trotz einiger Berührungspunkte in direktem Wettbewerb zur herkömmlichen Telekommunikation. Dass andere Marken und andere Produkte in Wettbewerb treten, ist logisch. Zum anderen hat Apple bewusst mit dem iPod einen Designstandard der Hypermoderne geschaffen, dessen Designmerkmale nicht nur in der IT- und Verbraucherelektronik zum Vorbild geworden sind.

Steve Jobs hat zwar versäumt, ein ähnliches Gerät auf den Markt zu bringen. Dennoch kann er sich darüber freuen, kopiert zu werden. Egal, wie gelungen es ist, jedes Imitat bestätigt die Macht der Apfelmarke.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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