Tumminellis Designkritik
Tomtom to go

Der kleine Tomtom One macht Navigationsgeräte billig und ist trotzdem ein perfektes Produkt. Wie aus durchdachtem Design eine Erfolgsgeschichte wird.

Vor kurzem wurde ich gefragt, wie es überhaupt möglich sei, noch eine neue Marke zu etablieren – heute, wo jede Branche von globalen Konzernen dominiert wird. Dabei fiel mir die Antwort überhaupt nicht schwer: Ganz einfach, indem man sich auf die Güte eines Produktes konzentriert, gemessen an den erkennbaren Vorteilen für seine Nutzer. Der Nachholbedarf in allen Branchen erscheint mit heute mehr denn je riesig: Die Menschen brauchen, sehnen sich nach guten Produkten.

Als mein Ansprechpartner entgegnete, dass Produktqualität mittlerweile gleichgültig geworden sei und dass Produkteigenschaften von Konsumenten kaum mehr wahrgenommen würden – was übrigens eine häufige Fehleinschätzung selbst unter Marketingprofis ist – hatte ich das passende Beispiel parat: Tomtom. Der lustige Name beschreibt sowohl tragbare Navigationsgeräte als auch Softwarelösungen für Handys und PDAs und ist mittlerweile dermaßen etabliert, dass viele Menschen ihn als Synonym für „Navi“ nutzen.

Navigationssysteme waren Automobilfahrern bereits seit zehn Jahren bekannt, als 2004 die Newcomerfirma aus Amsterdam ihr erstes All-in-one-Produkt auf den Markt brachte. Der Markt boomte und bald war bei Saturn & Co eine neue Abteilung fällig, selbst Aldi bot eigene Navi-Lösungen an. Populärer kann man sich Navigationssysteme heute kaum vorstellen: Nach spontaner Einschätzung klebt an jeder zweiten Windschutzscheibe mittlerweile eines dieser Geräte. Bei manch einem Angeber sind es sogar zwei – ein allzu peinlicher Auftritt.

Und wer führt das Nachrüst-Rennen? Weder eine der etablierten Größen der IT-Automotive-Branche, wie VDO, Becker oder Philips, noch der amerikanische Garmin – einstiger Marktführer und GPS-Pionier seit 1989, sondern der kleine Tomtom: In kaum zwei Jahren von Null auf Marktführer in Europa (über 50 Prozent Marktanteil) und Nummer 2 in den USA.

Wie hat Tomtom das geschafft? Einfachheit ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Entwickler haben sich mit dem Problem der Wegweisung auseinander gesetzt und die einfachste Lösung dafür entwickelt. Sie hatten ein klares Ziel: Die hochkomplexe Technik sollte ohne Gebrauchsanweisung beherrschbar sein. Es wurde auf Tasten verzichtet, die Menüführung durch eine Touchscreen so kinderleicht gemacht, dass man mit drei Klicks immer wieder nach Hause kommt.

Selbst die in Autos der nobelsten Marken fest installierten Hi-End-Geräte können – vom größeren Display abgesehen – nichts Besseres bieten. Bedenkt man, dass der „Tomtom One“ knappe 300 Euro kostet, sieht man, dass gutes Design nicht unbedingt teuer sein muss.

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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