Tumminellis Designkritik
Wanders Wunderwelt

Puma auf dem Weg zur Luxusmarke? Der Sportartikelhersteller entdeckt das besondere Design und setzt mit einer skurrilen Party-Kollektion von Marcel Wanders neue Akzente.

Mitte der 90er-Jahre interessierte ich mich – wie Marcel Wanders – sehr für „das Design“, über das einmal ein italienischer Meister sehr treffend sagte: „Das sind Dinge, die von Architekten entworfen, von Architekten-Firmen produziert und ausschließlich von Architekten gekauft werden.“ Selbst in der Möbelbranche machte „das Design“ damals kaum fünf Prozent des Gesamtmarktes aus. Bald stellte ich fest, dass die restlichen 95 Prozent mindestens genauso interessant und für die Wirtschafts- und die Gesellschaftsdynamik viel bedeutender waren als manch eine Limited Edition.

Aus dem früheren, immer wieder zelebrierten „form follows function“ wurde ein Mythos. So soll ein unbekannter Scheich die gesamte Ausstellung von Marcel Wanders auf der Mailänder Designwoche, immerhin 1 800 Quadratmeter Design, für eine hohe ungenannte Summe gekauft haben. Wenn es so wäre, dann würde ich mich sehr für den Holländer freuen, der stets zur einen Hälfte Entwerfer, zur anderen Unternehmer war und hart für seine Anerkennung gearbeitet hat.

Das glückliche Ende seiner Story: Vor zehn Jahren wollte Rosenthal eine kleine Vase von ihm nicht haben – zu skurril für den deutschen Vertrieb. Heute freut sich Puma über dieselbe Skurrilität und präsentiert sie weltweit, Marke neben Marke. Wer die Arbeit von Marcel Wanders kennt, etwas Romantiker, etwas Träumer und dabei sowohl konzeptionell stark als auch technisch erfinderisch, der wird bei dem Projekt Bekanntes wiederfinden.

Unter den Mottos „Ich hasse Camping“ und „Ich möchte kalten Champagner“ präsentiert Wanders für Puma eine Kollektion von Gegenständen, deren erklärtes Ziel es ist, im Außenbereich zu feiern. Dabei dient die Villa – ein pavillonartiges Lounge-Zelt – als räumliches Dach für das Konzept, die Bubble-Lounge – eine aufblasbare Luftmatratze – als Raumfüller, der Beach-Ball als fliegendes Zubehör. Dazu kommen Flipflops, Frotteetuch, Tragetasche und Rollkasten als wahre Puma-Ware.

Wer braucht diese hübsche Designwelt? Eigentlich niemand. Gewiss wird dieses Projekt weder die Profitabilität von Puma noch das Leben der Menschen nennenswert beeinflussen. Wer aber die Geschichte mit dem Scheich glaubt, ist gut beraten, alles zu kaufen und gut aufzubewahren. Sollte „das Design“ irgendwann in Vergessenheit geraten, um später wieder entdeckt zu werden, könnte sich die Wanders-Sammlung als gute Investition erweisen.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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