Tumminellis Designkritik
Wirbel im Waschraum

Der britische Unternehmer James Dyson hat die Staubsaugerbranche aufgemischt. Nun will er Händetrocknen zum Erlebnis machen. Tatsächlich bietet das Dyson-Modell „Airblade“ viel mehr als heiße Luft.

Mit britischem Humor könnte man sagen, dass die Kompetenz von Dyson in der Luft hängt. Das englische Unternehmen setzt mit Saugluft geschätzt über eine halbe Milliarde Pfund im Jahr um. Nun expandiert Dyson in ein völlig neues Geschäft: Händetrockner. Aus vielerlei Gründen könnte man den Unternehmer James Dyson vor diesem Schritt warnen. Denn es handelt sich um ein ganz anderes Geschäft mit eigenen Gesetzen und Vertriebskanälen. Zudem ist es mit einem Imagerisiko verbunden, eine derart progressive Marke vom Parkett zum Klosett zu zwingen.

Aber James Dyson wäre nicht James Dyson, würde er diese Herausforderung nicht als Chance sehen. Und Tatsache ist, dass herkömmliche Händetrockner, wie man sie mehr oder minder funktionsfähig in jedem Waschraum findet, technisch veraltet sind.

Ein typischer Trockner saugt verunreinigte Luft an, erhitzt sie und schleudert sie auf nasse Hände – perfekte Reproduktionsbedingungen für Keime und Bakterien. Hinzu kommt eine schlechte Ökobilanz, denn das Erhitzen der Luft verbraucht viel Energie. Ein vernachlässigtes, geradezu ideales Feld für simple Produktinnovationen.

Mit einem Hepa-filter (High-Efficiency Particulate Air) entfernt das Dyson-Modell „Airblade“ alle Unreinheiten. Die Luft wird auf 650 Stundenkilometer beschleunigt, bevor sie durch einen langen, nur 0,3 Millimeter breiten Spalt auf die Hände strömt. Und zwar unbeheizt, was Energie-Einsparungen von bis zu 83 Prozent ermöglichen soll. Vor allem aber dauert der Trocknungsprozess nur zehn bis 15 Sekunden, was auch die ungeduldigsten Nutzer glücklich machen sollte – Männer unter 35. Gerade die werden vom eingebauten Formel-1-Faktor fasziniert: Der sensorgesteuerte Motor schaltet präzise ein und dreht schnell hoch, was von einem Turbosound begleitet wird. Dabei fühlt sich der Luftstrom angenehm warm an, die Behandlung ähnelt einer Massage.

Das Aussehen des Geräts: außergewöhnlich und selbstbewusst. Es ist richtig groß, was zunächst verwirrt, dazu überzeugend robust – im Stadion angebracht hält es auch den Stiefeltritten von Hooligans stand.

Gewöhnungsbedürftig ist die markante silbrig-gelbe Farbgebung. Dyson unterstützt stets die visuelle Identität seiner Produkte mit unkonventionellen Farben. Beim Airblade stößt die Strategie an ihre Grenzen. Denn Architekten und Gebäudeverwalter verlangen von Produkten, die fest montiert werden, dass sie entweder unsichtbar sind oder mit dem Raum harmonieren. Ob ein neutrales Weiß, klassisch verchromt oder gar Farbe nach Wunsch – eine Anpassung ist ratsam. Und das ist die einzige Empfehlung bei diesem faszinierenden Gerät. Denn dagegen, dass der Preis mit 1 000 Euro mindestens 100 Prozent über dem des teuersten Wettbewerbers liegt, kann man und muss man nichts tun. Bei steigenden Energiepreisen bilden die niedrigen Betriebskosten des Airblades den größten Vorteil.

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