Tunesien rückt von Unfallthese ab
Djerba: Immer mehr Belege für Terrorakt

Knapp eine Woche nach der schweren Explosion auf der Ferieninsel Djerba schließen nun auch die tunesischen Behörden einen Terroranschlag nicht mehr aus. Die tunesische Regierung habe offiziell mitgeteilt, dass in alle Richtungen ermittelt werde, sagte der Berliner Regierungssprecher Uwe Karsten Heye am Mittwoch.

dpa BERLIN. Trotz der deutschen Zweifel war die Regierung in Tunis zunächst bei der Version geblieben, es sei ein Unfall gewesen. Unter den 12 in Spezialkliniken behandelten schwer verletzten Brandopfern schweben viele noch in Lebensgefahr. Im Ruhrgebiet nahmen die Ermittler vorübergehend zwei Verdächtige fest.

Bei seinem Bericht über den Stand der Ermittlungen sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) im Kabinett, alle Indizien deuteten auf einen Anschlag hin. "Für eine Unfalltheorie gibt es keine Anhaltspunkte", sagte Heye. Offen sei, ob hinter dem vermuteten Anschlag ein Einzeltäter oder eine Gruppe steht. Die Ermittlungen in Tunesien würden inzwischen von sieben Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) unterstützt. Die von Schily geplante Reise wird nach Angaben seines Sprechers Rainer Lingenthal derzeit mit den tunesischen Behörden abgestimmt. Einen festen Termin gebe es noch nicht.

Als "in der Sache absurd und unverantwortlich" wies Schily laut Heye Berichte zurück, wonach die deutschen Sicherheitsbehörden vorgewarnt gewesen seien. Die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Informationen aus Sicherheitskreisen berichtet, bereits vor der Explosion auf Djerba habe das BKA Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf deutsche Touristen in Tunesien gehabt.

Lkw-Fahrer und Autor des Bekennerschreibens selbe Person

Der Fahrer des vor der Synagoge von Djerba explodierten Kleinlasters war nach Angaben der Bundesanwaltschaft auch Autor des Bekennerschreibens. "Nach dem gegenwärtigen Erkenntnisstand handelt es sich bei der in dem Bekennerschreiben genannten Person um den mutmaßlichen Attentäter", sagte die Sprecherin Frauke-Katrin Scheuten. Sie bestätigte damit Angaben des französischen Innenministeriums, das den Namen des 24-jährigen Nizar Ben Mohamed Nawar genannt hatte. Die in London erscheinende arabische Zeitung "Al-Quds Al-Arabi" hatte unter Berufung auf dieses Schreiben berichtet, eine zum El-Kaida-Terrornetzwerk von Osama bin Laden gehörende Gruppe habe sich als Urheber der Explosion bezeichnet.

Nach einem Bericht der arabischen Zeitung "Al-Hayat" war der mutmaßliche Anschlag von langer Hand vorbereitet. Der benutzte Kleinlaster sei erst kürzlich einem jüdischen Einwohner Djerbas abgekauft worden. Der Fahrer habe den ursprünglich für den Wassertransport gedachten Tankwagen mit Benzin gefüllt, welches er bei Schmugglern aus Libyen gekauft habe. Bei der Brandkatastrophe kamen 15 Menschen ums Leben, darunter 10 deutsche Touristen.

Zweite Person im Ruhrgebiet festgenommen

Im Ruhrgebiet haben die Ermittler am Montag einen zweiten Verdächtigen vorübergehend festgenommen. Neben der Mülheimer Kontaktperson der mutmaßlichen Attentäter sei vor zwei Tagen auch ein Bekannter dieses Mannes in Duisburg zur Überprüfung vorübergehend festgenommen worden, wurde am Mittwoch aus Ermittlerkreisen bekannt. Beide befinden sich wieder auf freiem Fuß. Der Mülheimer - nach Zeitungsberichten ein zum Islam konvertierter Aussiedler mit deutschem Pass - war kurz vor der Explosion von einem der mutmaßlichen Attentäter angerufen worden. Die Bundesanwaltschaft bestätigt, dass es am Montag im Umfeld der Kontaktperson weitere Durchsuchungen und Überprüfungsmaßnahmen gegeben hat.

Sechs Tage nach der Katastrophe sind einige der 14 deutschen Opfer auf dem Weg der Besserung. Der schwer verletzte inzwischen operierte 18 Monate alte Junge aus Rheinland-Pfalz sei weiter Hochrisiko- Intensivpatient, habe aber eine Operation gut überstanden, hieß es in der Hamburger Kinderklinik Wilhelmsstift. Der 14-Jährige, der mit schweren Verbrennungen im Aachener Klinikum liegt, sei nach tagelangem künstlichen Koma aufgewacht, teilte eine Sprecherin der Klinik mit.

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