Turbo für das Mobilfunknetz: Mobilfunkanbieter denken über Alternative zu UMTS auf dem Land nach

Turbo für das Mobilfunknetz
Mobilfunkanbieter denken über Alternative zu UMTS auf dem Land nach

Diskussionen auf dem Mobilfunkkongress in Cannes zeigen: Es gibt Alternativen zu UMTS. So könnte das heutige digitale Mobilfunknetz durch Kanalbündelung und mit optimierter Übertragungstechnik so schnell werden, dass sich einige Netzbetreiber den teuren Aufbau eines völlig neuen Mobilfunknetzes auf dem Land sparen könnten.

CANNES. Die europäische Mobilfunkbranche hat ein kryptisches Kürzel mehr: Zu UMTS, GPRS & Co. kommt jetzt EDGE hinzu. Neu ist diese Technik zwar nicht - es hat sich nur lange Zeit niemand in Europa dafür interessiert. Auf dem Mobilfunkkongress in Cannes haben einige Unternehmen EDGE (Enhanced Data Rates for Global Evolution) wiederentdeckt. Mit dieser Technik könnte in den heutigen GSM-Netzen eine Übertragungsgeschwindigkeit von 384 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) erzielt werden. Damit können auch Videos schnell per Mobilfunk übertragen werden.

Diese hohe Bandbreite wird erreicht, indem ein Modulationsverfahren die Datenübertragungsrate eines GSM-Kanals auf bis zu 48 kbit/s vergrößert und bis zu acht Kanäle gleichzeitig genutzt werden. UMTS-Geschwindigkeiten erreicht EDGE zwar nicht - aber immerhin mehr als ein Viertel des Tempos ist möglich, sagen Experten. Das wäre immerhin eine deutliche Verbesserung gegenüber der heutigen Übertragungstechnik GPRS, mit der maximal 170 kbit/s erzielt werden.

Gleichzeitig ist EDGE aber billiger als UMTS, da die Technik auf den bereits bestehenden Mobilfunknetzen basiert - vorausgesetzt: "Die Unternehmen haben mit dem Netzaufbau nicht schon Anfang der 90er-Jahre angefangen. Nur in neueren Sende- und Empfangsanlagen sind entsprechende Vorrichtungen für EDGE vorgesehen, so dass die Kosten für die Aufrüstung nicht so hoch ausfallen würden", sagt Werner Irler, Vertriebsleiter Mobilfunk bei der deutschen Tochter von Lucent Technologies. Der Konzern bietet EDGE selbst nicht an. Techniklieferanten sind heute unter anderem Netzausrüster wie Nokia und Ericsson.

Die Marktführer auf dem Mobilfunkmarkt wie Vodafone und T-Mobile, die früh gestartet sind, müssten jedoch für EDGE viele ihrer Basisstationen austauschen. Für UMTS müssen dagegen alle Mobilfunker eine völlig neue Infrastruktur hochziehen.

Die europäische Mobilfunkbranche ächzt unter den hohen UMTS-Kosten, die zu enormen Schuldenbergen geführt haben, und sucht daher nach Möglichkeiten, ihre Ausgaben zu drücken. Denn die Unternehmen haben mehr als 100 Mrd. Euro für die neuen Funklizenzen ausgegeben. Hinzu kommen Milliardeninvestitionen in den Aufbau der UMTS-Netze. Diese wird es zunächst nur in Großstädten geben, um die Auflagen der Telekom-Regulierungsbehörden zu erfüllen.

So müssen die Mobilfunker beispielsweise in Deutschland bis Ende des Jahres einem Viertel der Bevölkerung UMTS-Dienste anbieten können. Dafür reicht es, wenn etwa 10 % der Fläche mit dem neuen Netz abgedeckt sind. Für die ländlichen Gegenden dagegen wäre EDGE eine gute Alternative, heißt es in der Branche - vor allem bei den kleineren Unternehmen wie MMO2. Der britische Mobilfunkkonzern überlegt beispielsweise, die EDGE-Technik auf dem Heimatmarkt einzuführen. "Vor etwa einem Jahr war das kein Thema für die europäischen Netzbetreiber, aber jetzt schauen wir uns EDGE etwas genauer an", sagte MMO2-Chef Peter Erskine in Cannes.

Er begründete das mit den Verzögerungen bei dem neuen Mobilfunkstandard UMTS, der das Übertragen von Daten via Handy und das Surfen im mobilen Internet künftig schneller und bequemer machen soll. Doch noch kommt Erskines Plädoyer für EDGE wohl etwas zu früh. "Wir müssen erst die UMTS-Netze errichten und all die technischen Probleme lösen, die wir damit bekommen, erst danach können wir uns Gedanken über Alternativen machen", sagt der Manager eines konkurrierenden Mobilfunkkonzerns.

Und auch der MMO2-Chef schränkt seine Pläne ein: Es müsse genügend Mobiltelefone geben, die man mit EDGE und UMTS nutzen könne. "Erst dann wird EDGE so richtig interessant für uns", sagt Erskine. Trotz entsprechender Zusagen einiger Handy-Hersteller sei er noch nicht so ganz davon überzeugt.

US-Mobilfunkkonzerne wie AT&T Wireless und Cingular Wireless nutzen EDGE bereits seit längerem. Die Idee dazu war eher aus der Not geboren: Weil Funkfrequenzen jenseits des Atlantiks sehr knapp sind, versuchten die Unternehmen ihre bestehenden Kapazitäten besser zu nutzen.

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