Turbulente Hauptversammlung
Babcock-Chef von Aktionären scharf kritisiert

Auf einer turbulenten Hauptversammlung haben die Aktionäre der Babcock Borsig AG am Dienstag ihrem Ärger über die heftig umstrittene Kehrtwende in der Unternehmensstrategie Luft gemacht. "Täuschung" und "Verrat" warfen die Aktionäre Vorstandschef Klaus Lederer vor.

Reuters DÜSSELDORF. Viele Aktionäre machten Lederer persönlich verantwortlich für die unvorhersehbare und damit überraschende Abkehr vom Kerngeschäft Schiffbau durch dessen teilweise Veräußerung an den US-Investor One Equity Partners. Anträge auf Verschiebung der Hauptversammlung, auf Abstimmung über die Strategie und Ablösung des Versammlungsleiters Friedel Neuber fanden indes keine Mehrheit.

Der Verkauf eines Teils der HDW-Beteiligung und damit die Aufgabe dieses lukrativen Kerngeschäfts habe weit reichende Folgen für den Oberhausener Konzern, weshalb die Aktionäre und nicht nur das Management darüber entscheiden müssten, monierte Markus Elsässer, der deutsche Partner des amerikanischen Großaktionäres Guy Wyser-Pratte. Ein von ihm unter großem Beifall des Publikums gestellter Antrag, die Veranstaltung zu verschieben, wurde aber mehrheitlich abgelehnt.

Zu Beginn des Aktionärstreffens hatte Aufsichtsratschef Friedel Neuber sichtlich Mühe, einen ordnungsgemäßen Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten. Wiederholt wurde er von Zwischenrufen aufgebrachter Aktionäre unterbrochen und durch anhaltendes Klatschen am Reden gehindert. Der Antrag eines Aktionärs, Neuber die Leitung der Versammlung zu entziehen, wurde allerdings ebenfalls abgelehnt. Erst mit zwei Stunden Verzögerung stieg die Hauptversammlung in die Tagesordnung ein.

Ungeachtet der Ablehnung des Verschiebungsantrags bezeichnete Elsässer seine Forderung als Erfolg. Man habe den Versammlungsleiter entgegen dessen ausdrücklicher Absicht zu einer Abstimmung gezwungen.

Konzernchef Lederer verteidigte unterdessen in seiner Rede den Rückzug aus dem Schiffbau. Seine noch im Januar erklärte Absicht, die Beteiligung an der Kieler Howaldswerke Werft AG-Deutsche (HDW) von 50 Prozent plus eine Aktie auf 100 Prozent aufzustocken, sei nicht realisierbar gewesen. Die Preussag habe auf Verkauf ihres Anteils gedrängt, und Babcock habe den Kauf dieses Anteils nicht finanzieren können. Der Verkauf von 25 Prozent an HDW bringe Babcock einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, sagte Lederer.

"Mieser Stil"

Als "miesen Stil" bezeichnete Aktionär Horst Steinharter, dass Lederer Babcock um seinen Schiffbau gebracht habe, das Unternehmen verlasse und künftig selbst nach Kiel übersiedelt. "Herr Lederer gehörte eben lieber zu den Gewinnern als zu den Verlierern", meinte ein anderer Aktionär. Lederer, dessen Vertrag bei Babcock im vorigen Jahr um fünf Jahre verlängert worden war, wollte sich nicht dazu äußern, ob er für sein Ausscheiden aus dem Babcock-Konzern eine Abfindung bekommen wird. Durch Lederer stünden die Aktionäre vor einem Scherbenhaufen, sagte Erika Czebulla von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre. Lederer habe sich "mitverkauft an den neuen Arbeitgeber", warf Elsässer dem Vorstandschef vor.

Wyser-Pratte widersprach Lederers Worten, wonach es für den Verkauf des HDW-Anteils an den Finanzinvestor One Equity Partners keine Alternative gegeben habe. Er selbst habe vorigen Freitag mit einer "großen industriellen Adresse in den USA" gesprochen, die bereit gewesen wäre, 25 Prozent an HDW zu erwerben und den Rest zu finanzieren.

Der Amerikaner französischer Herkunft kündigte an, seinen Anteil von knapp sechs Prozent an Babcock zu behalten. Ferner wolle er dafür sorgen, dass eine neue Hauptversammlung einberufen und der Aufsichtsrat von Babcock ausgewechselt werde. Wyser-Pratte kündigte zudem an, ein außerordentliches Aktionärstreffen zu beantragen.

An der Börse legten Babcock-Aktien am Dienstag um knapp zwei Prozent auf 5,55 Euro zu. Der Kursrutsch der vergangenen Woche konnte damit aufgehalten werden. Seit Bekanntwerden des Verkaufs an One Equity Partners hatte Babcock an der Börse fast die Hälfte des Unternehmenswerts verloren. Allein mit dem verbleibenden Kerngeschäftsfeld Energietechnik gebe es bei Babcock ungeachtet des Mittelzuflusses durch den Anteilsverkauf an HDW wenig Anlass zu Optimismus, hatten Analysten zur Begründung erklärt.

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