Turbulenzen durch möglich Veränderungen
Beiersdorf-Chef bekniet Großaktionäre

Der Nivea-Hersteller Beiersdorf hat an seine Großaktionäre Tchibo und Allianz appelliert, das Hamburger Traditionsunternehmen vor Turbulenzen durch möglich Veränderungen im Aktionärskreis zu bewahren.

Reuters HAMBURG. Zugleich stellte Vorstandschef Rolf Kunisch in einem Reuters-Interview am Mittwoch für das nächste Jahr ein geringfügig höheres Wachstum als 2002 in Aussicht.

Kunisch sagte mit Blick auf anhaltende Spekulationen über den möglichen Einstieg eines Branchenkonkurrenten bei Beiersdorf: "Ich wüßte nicht, wie uns einer der großen Konkurrenten bei einer besseren Performance helfen könnte." Seit längerem wird darüber spekuliert, entweder der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble oder der französische Kosmetikkonzern L'Oreal könnten sich an dem Hamburger Unternehmen beteiligen. Erst Ende Oktober hatte Reuters aus Branchenkreisen erfahren, dass Procter & Gamble neben Verhandlungen mit dem größten Gesellschafter von Beiersdorf, der Allianz, auch Gespräche mit dem Gesellschafter Tchibo führte.

Zum Geschäftsausblick für 2003 sagte Kunisch: "Wir werden beim Umsatz rund fünf Prozent zulegen und im operativen Ergebnis weiter leicht überproportional dazu wachsen." Für das laufende Jahr bekräftigte er die Prognose eines Umsatzwachstums um vier Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Der Reingewinn werde auf 275 Millionen Euro steigen und damit fünf Prozent über dem bereinigten Vorjahresergebnis liegen.

Kunisch sagte weiter, er könne sich eine begrenzte Kooperation mit dem Haarpflegespezialisten Wella vorstellen, eine darüber hinaus gehende Fusion biete sich indes nicht an. Als mögliches Kooperationsfeld nannte der Beiersdorf-Chef die Belieferung des Lebensmitteleinzelhandels.

Kunisch appellierte in dem Reuters-Interview erstmals öffentlich an die Hauptaktionäre, die aus seiner Sicht bewährte Anteilsstruktur bei Beiersdorf unverändert zu belassen, damit die Firma nicht der "Zockerei" anheim falle. Die gegenwärtigen Spekulationen verunsicherten Mitarbeiter und Kunden. "Jede Zeit, die die Mitarbeiter für Gerüchte verschwenden, schadet dem Unternehmen", sagte Kunisch.

An Beiersdorf ist der Münchener Allfinanzkonzern Allianz mit 43,6 Prozent beteiligt, der Hamburger Kaffeeröster Tchibo hält 30,1 Prozent. Daneben verfügen die Nachfahren der Gründerfamilie Claussen nach früheren Angaben noch über knapp zehn Prozent, der Rest befindet sich in Streubesitz.

Während sich die Allianz grundsätzlich bereit gezeigt hatte, sich von ihren Anteilen an dem hoch profitablen Hersteller von Erfolgsmarken wie Nivea, Labello und Hansaplast zu trennen, hatte Tchibo bekundet, seinen Anteil an Beiersdorf aufstocken und Kontakt mit der Allianz aufnehmen zu wollen.

Im Falle eines Einstiegs bei Beiersdorf will Procter & Gamble früheren Angaben aus Branchenkreisen zufolge keinen Minderheitsaktionär akzeptieren, der über eine Sperrminorität von mehr als 25 Prozent der Anteile verfüge. Deshalb sei Procter & Gamble zumindest auch an einer Teilübernahme der Tchibo-Anteile interessiert, hatte es geheißen.

Zugleich gab Kunisch einen Hinwies darauf, wie er sich Stabilität im Aktionärskreis vorstellt: "Ich glaube, es gibt irgendwann einmal Möglichkeiten, dass man sich von Teilen trennt, wer auch immer. Man muss ja nicht 45 oder 30 Prozent halten. Da gibt es, glaube ich, mehr Möglichkeiten, als man im Moment sieht." Es wäre besser, wenn der Free Float größer wäre und somit Beiersdorf im Dax vertreten wären, da das für den Kurs günstiger sei, sagte Kunisch weiter. Damit ließ der Beiersdorf-Chef erkennen, dass er es offenbar für denkbar hält, dass sich die Großaktionäre von Teilen ihrer Aktienpakete trennen und diese über die Börse verkaufen. Dadurch würde der in Streubesitz liegende Anteil steigen, was wiederum die Chancen von Beiersdorf auf eine Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (Dax) erhöhen würde.

Am Mittwochnachmittag notierte das im MDax gelistete Unternehmen mit 101,20 Euro rund ein Prozent im Plus.

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