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Turiner Tristesse für FC Bayern

Karl-Heinz Rummenigge hob mahnend den Zeigefinger, Uli Hoeneß polterte mächtig drauf los: Die tristen Tage von Turin haben dem FC Bayern München nicht den erhofften Befreiungsschlag gebracht, sondern nur noch mehr Frust und Probleme.

dpa TURIN. Karl-Heinz Rummenigge hob mahnend den Zeigefinger, Uli Hoeneß polterte mächtig drauf los: Die tristen Tage von Turin haben dem FC Bayern München nicht den erhofften Befreiungsschlag gebracht, sondern nur noch mehr Frust und Probleme.

Nach den erneuten gesundheitlichen Sorgen um Sebastian Deisler musste der deutsche Rekordmeister durch das 0:1 (0:0) im Gipfeltreffen bei Juventus Turin die erste Saisonniederlage in der Champions League hinnehmen und steht plötzlich auch in Europas Fußball-Königsklasse unter Druck. "Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir haben hier gut gespielt. Wir waren aus meiner Sicht die bessere Mannschaft", sagte Trainer Felix Magath.

Vorstandschef Rummenigge richtete kurz nach Mitternacht im schmucklosen Saal des Hotels Ambasciatori in seiner traditionellen Bankettrede einen eindringlichen Appell an die Profis: "Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen, wir müssen jetzt Gas geben. Es ist ganz schön wichtig, dass wir schnell auf den Pfad der Tugend, sprich zum Siegen zurückkommen. Wir haben schwere Wochen vor uns", sagte er. Nun soll gegen Hansa Rostock unbedingt die Aufholjagd in der Bundesliga beginnen, um die "bitter nötigen Punkte" zu holen. In 14 Tagen fordert Rummenigge dann einen Sieg im Heimspiel gegen Juve, um die Weichen in der Champions League vor dem näher gerückten Verfolger Ajax Amsterdam vorzeitig für das Achtelfinale zu stellen.

Wie angespannt die Bayern-Bosse angesichts des kaum befriedigenden Saisonverlaufs derzeit offenbar sind, zeigte eine unbeherrschte Reaktion von Manager Hoeneß. Die Frage nach einer angesichts von zwei Niederlagen in Serie eventuell gerade beginnenden Krise provozierte ihn zu einem heftigen Gefühlsausbruch. "Manchmal muss ich mich fragen, ob ihr noch alle Tassen im Schrank habt", beschimpfte er Journalisten in den Katakomben des Stadio delle Alpi.

Der Begriff Krise ist zum Reizwort des Managers geworden. Gerade Hoeneß hat der neue Wirbel um Deisler scheinbar besonders dünnhäutig gemacht. Dabei gibt es bereits Anzeichen für eine rasche Besserung des Gesundheitszustands des psychisch labilen Mittelfeldmanns. "Ich habe mit seiner Frau gesprochen. Es geht ihm eigentlich ganz gut", sagte Hoeneß dem TV-Sender Sat.1. Wann der im Vorjahr an Depressionen erkrankte Deisler dem FC Bayern wieder zur Verfügung steht, ist aber weiter unklar.

Für zusätzlichen Kummer sorgten in Turin auch die Fans, die mit Leuchtraketen schossen und dem Verein wohl eine saftige Geldstrafe einbrockten. Das erhoffte "Feuerwerk" auf dem Platz boten die beiden Spitzenteams der Gruppe C nicht. Den Bayern genügte es offenbar, dem italienischen Rekordmeister mit einer taktisch cleveren Leistung lange Zeit den Schneid abgekauft zu haben.

Lediglich der Siegtreffer der Italiener durch Pavel Nedved (75.) vermieste letztlich die Bilanz. "Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Diese Niederlage ist bitter für uns, trotzdem wissen wir, dass wir das ordentlich gemacht haben", sagte Michael Ballack. Der Mittelfeldstar erlitt eine Kapselblessur im Fuß und wollte sich deshalb näher untersuchen lassen.

Auch Kapitän Oliver Kahn befand, "dass wir eigentlich 90 Minuten guten Fußball gezeigt haben" und lag damit auf einer Wellenlänge mit Magath. "Die Leistung war sehr gut und international anzuerkennen. Wenn wir solche Leistungen auch in der Bundesliga bringen, dann sehe ich keine Probleme", zog der Coach ein überraschend positives Fazit. Einigkeit herrscht zwischen Hoeneß und Magath über die derzeitigen Probleme im Sturm. "Wir brauchen dringend einen neben Roy Makaay. Wenn man in der Spitze in Europa ist, muss man mit zwei Angreifern spielen", sagte Hoeneß.

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