Turnen Olympia
Chusovitina turnt zum Olympia-Weltrekord

Oksana Chusovitina ist der erste Turnerin, die ihre fünfte Teilnahme an Olympischen Spielen feiern kann. Die 33-Jährige macht sich besonders am Sprung Hoffnungen auf Edelmetall.

Auf Beutezug mit Käpt'n Jack Sparrow - wenn die Filmmusik aus dem Blockbuster "Fluch der Karibik" ertönt, hat die 1, 53m kleine Oksana Chusovitina im National Indoor Stadium von Peking ihren großen Auftritt. Dann nämlich beginnt ihre Jagd nach dem Medaillenschatz. Speziell am Sprung hat die aktuelle Europameisterin an diesem Gerät eine durchaus reelle Chance auf Edelmetall.

Und so oder so wird die Nummer eins der deutschen Turnriege am Sonntag nicht nur mit ihrer Kür am Boden einen inoffiziellen Weltrekord aufstellen. Noch nie ist es einer Athletin gelungen, fünfmal an olympischen Turnwettkämpfen teilzunehmen.

Weltklasseturnerin mit 33 Jahren

Was in erster Linie daran liegt, dass es auch noch nie eine Weltklasseturnerin gab, die 33 Jahre alt ist. Und von einem gelungenen Karriereausklang in der chinesischen Hauptstadt mag die gebürtige Usbekin überhaupt nichts hören: "Ich werde turnen, bis der Körper nein sagt. Ums Geld geht es mir dabei nicht, ich liebe einfach diesen Sport."

Noch mehr liebt Oksana ihren Sohn Alisher, nicht zuletzt deshalb tingelt sie auch noch in einem Alter von Weltcup zu Weltcup, in dem ihre einstigen Konkurrentinnen längst die Reckriemchen an den Nagel gehängt haben. Der knapp Neunjährige erkrankte vor sechs Jahren an Leukämie, seine seinerzeit in der Bundesliga für Toyota Köln aktive Mutter musste Siegprämien erturnen, um die sechsstelligen Kosten für die teuren Behandlungen aufzubringen.

Mittlerweile ist Alisher ein gesundes Kind und mit seiner Mutter und seinem Vater, dem ehemaligen usbekischen Olympiaringer Bachodir Kurbanow, in der Domstadt heimisch geworden. Auch turnerisch, denn seit Oktober 2006 geht die Ex-Weltmeisterin für Deutschland an die Geräte.

Es ist schon ihr dritter Trikotwechsel, denn Chusovitina begann ihre Karriere für Ruhm und Ehre der Sowjetunion, ehe sie 1992 mit der GUS-Riege olympisches Mannschafts-Gold gewann. Danach vertrat sie 14 Jahre lang als Einzelkämpferin die Farben ihrer Heimatrepublik Usbekistan.

Chusovitina sichert deutschem Team das Olympiaticket

"Es ist großartig, dass ich nach 16 Jahren noch einmal bei Olympia mit einem Team starte. Das gibt mir ganz viel Kraft", glaubt "Tschusso", wie sie von ihren weitaus jüngeren Kolleginnen genannt wird. Riegenküken Joeline Möbius aus Chemnitz zum Beispiel war noch nicht einmal geboren, als Chusovitina Olympiasiegerin in Barcelona wurde.

Ohne ihre "Turn-Oma", da sind sich im deutschen Lager alle einig, hätte es auch im vierten Anlauf hintereinander für das Sextett des Deutschen Turner-Bundes nicht für ein Olympiaticket gereicht. Und das hängt nicht nur mit den außergewöhnlichen sportlichen Leistungen Chusovitinas zusammen, der man bei einem Gewicht von 43 Kilogramm kaum glauben mag, dass eines ihrer Hobbies das Essen von Schokolade sein soll. Für Cheftrainerin Ulla Koch ist die Ausnahmeathletin auch abseits der Turngeräte ein leuchtendes Vorbild: "Sie zeigt den anderen Mädchen, wie wichtig ein starker Wille ist."

© SID

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