TV-Debatte mit Clinton
Obama zeigt Formschwäche

Es wird wieder spannend im US-Wahlkampf: Wenige Tage vor der nächsten wichtigen Vorwahl trafen Clinton und Obama in einer TV-Debatte aufeinander. Das Duell verlief anders als erwartet.

HB/law PHILADELPHIA. Inhaltlich brachte die Debatte nicht viel Neues: Iran, Irak, Israel – brav wiederholten die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Barack Obama ihre bekannten Standpunkte. Interessanter zu beobachten war indes die Art, wie sich die Rivalen dem Wähler bei diesem TV-Duell kurz vor der nächsten wichtigen Vorwahl präsentierten.

Obama und Clinton bescheinigten sich gegenseitig, dass der jeweils andere in der Präsidentenwahl gegen den designierten republikanischen Kandidaten John McCain gewinnen könne. Doch die hitzigen Auseinandersetzungen und Vorwürfe der vergangenen Tage blieben nicht ganz vergessen.

Clinton holte zur großen Verbalattacke aus. Sie brachte alle Kontroversen der letzten Wochen auf den Tisch: die radikalen Äußerungen von Obamas früherem Pastor Wright, seine angeblich elitären Äußerungen über Amerikas Hinterwäldler. Die Moderatoren und selbst die per Video zugeschalteten Wähler legten nach, fragten nach der fehlenden Flagge an Barack Obamas Revers und seinen Verbindungen zu einer amerikanischen Terrorgruppe aus den 70er Jahren. Eine eindrucksvolle Schau all der Geschütze, die die Republikaner bei der Präsidentschaftswahl auffahren werden.

Barack Obama hielt sich dagegen zurück, geriet gar wiederholt unter Rechtfertigungsdruck. Er unterstellte Clinton bei der Debatte, sie wolle Kapital aus seinen Bemerkungen über sozial Schwache schlagen. "Das Problem, dass wir in unserer Politik haben, ist, dass man eine Äußerung einer Person nimmt, wenn sie ungenügend formuliert ist, und dann immer wieder auf ihr herumreitet. Und genau das hat Senatorin Clinton getan", erklärte Obama. Der Senator aus Illinois hatte vor kurzem gesagt, dass sich viele Amerikaner wegen ihrer wachsenden finanziellen Probleme an Waffen oder Religion klammerten.

Der Kampf um die Nominierung der Demokraten hatte wegen dieser abfälligen Bemerkungen Obamas in den vergangenen Tagen erheblich an Schärfe gewonnen. Clinton hatte ihren Konkurrenten als "elitär" und "realitätsfremd" bezeichnet.

Obama erinnerte Clinton an eine Kontroverse, als sie selbst 1992 erklärt hatte, sie hätte ja auch Plätzchen backen können anstatt in die Politik zu gehen. Danach wurde Clinton von politischen Gegnern als Feministin dargestellt. Obama sagte: „Ich denke, Senatorin Clinton hat die falsche Lehre daraus gezogen, weil sie die gleiche Taktik übernommen hat.“

Doch auch Clinton musste Fehler einräumen. Sie entschuldigte sich öffentlich dafür, über eine ihrer Reisen nach Bosnien während des Balkankrieges übertriebene Angaben gemacht zu haben. Bei mindestens drei Wahlkampfauftritten hatte sie gesagt, vor zwölf Jahren in Tuzla unter Beschuss von Heckenschützen gekommen zu sein, sie habe rennen müssen, um zu den bereitstehenden Fahrzeugen in Sicherheit zu gelangen. Fernsehbilder von damals zeigten, wie Clinton in aller Ruhe zu einer Gruppe ging.

Bei der Frage, ob Obama die Präsidentenwahl gewinnen könne, wich Clinton zunächst aus. Auf eine Nachfrage sagte sie dann dreimal ja: „Yes, yes, yes.“ Obama sagte auf die Frage, ob er Clinton einen Wahlsieg im November zutrauen: „Absolut - und ich habe das schon zuvor gesagt.“ Das war eine Anspielung auf Äußerungen aus Clintons Wahlkampfteam, Obama würde die Demokraten im Herbst in eine Niederlage führen.

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