TV-Duell
In den USA haben TV-Duelle der Top-Kandidaten eine lange Tradition

Nicht zuletzt die erste "richtige" TV-Debatte des amerikanischen Präsidentenwahlkampfes trug dazu bei, dass John F. Kennedy und nicht Richard Nixon damals ins Weiße Haus einzog.

dpa WASHINGTON. Am 26. September vor 42 Jahren trat ein dynamischer, aber unerfahrener Senator in den USA gebräunt und mit jungenhaftem Charme vor die Kameras, um sich in einer Fernsehdebatte mit einem hoch favorisierten Altmeister zu messen. Dieser war nicht geschminkt, nicht rasiert und äußerst unbeholfen. Der Rest ist Geschichte. Nicht zuletzt die erste "richtige" TV-Debatte des amerikanischen Präsidentenwahlkampfes trug dazu bei, dass John F. Kennedy und nicht Richard Nixon damals ins Weiße Haus einzog.

Die Fernsehduelle sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Rennens um das Präsidentenamt

Danach gab es zwar eine Pause bis 1976, weil sich die Amtsinhaber allesamt davor fürchteten, schlechte Erfahrungen zu machen. Nixon selber, der schließlich 1968 und 1972 die Wahlen gewann, ging weiteren Debatten weit aus dem Weg. Doch seitdem sind die Fernseh- Duelle in der Mediendemokratie USA ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Rennens um das Präsidentenamt. Von 1987 an kümmerte sich sogar eine eigene Kommission für Präsidentschafts-Debatten um die Ausrichtung des verbalen Kräftemessens, dem sich auch die Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten stellen.

Mit hitzigen Wortduellen haben die "Debatten" häufig wenig zu tun. Sie werden orchestriert und choreografiert und bestehen meist aus Eröffnungserklärungen und der Beantwortung von Journalistenfragen. Ob sie die Stimmung des Wahlvolks entscheidend beeinflussen, ist mit absoluter Sicherheit nicht zu sagen. Befragte Bürger empfinden sie als hilfreich, um sich eine Meinung zu bilden. Das Interesse scheint jedoch zu sinken. Die Zahl der Zuschauer, die zwischen 1960 und 1992 stets über 60 Millionen lag und einmal (1980) die 80-Millionen-Marke überschritt, sackte 1996 und 2000 bis auf 36 Millionen ab. George W. Bush und Al Gore sahen 2000 zwischen 37,5 und 46,6 Millionen zu.

Besonders Außenseiter sehen in den TV-Auftritten die Chance, dem Favoriten ein Bein zu stellen

Besonders Außenseiter sehen in den TV-Auftritten die Chance, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Überliefert sind wie im Falle des jungen aufstrebenden John F. Kennedy etliche Beispiele, die ihre Wirkung nicht verfehlt haben. 1980 drückte der "große Kommunikator" Ronald Reagan den Amtsinhaber Jimmy Carter mit dieser Frage an die Zuschauer ein für alle Mal in die Defensive: "Seid ihr heute besser dran als vor vier Jahren?" 1984 hatte der 77-jährige Reagan die Lacher auf seiner Seite, als er Angriffe des 60-jährigen Walter Mondale auf sein hohes Alter mit der Bemerkung konterte, er halte ihm seine Jugend und Unerfahrenheit ja auch nicht vor.

Michael Dukakis antwortete 1988 emotionslos auf die Frage, ob er die Todesstrafe unterstützen würde, wenn man seine Frau vergewaltigte und ermordete - und galt ab sofort als gefühlskalt. Vor zwei Jahren lieferten die Debatten zwischen George W. Bush und Al Gore erste Hinweise auf den dann folgenden Verlust des Weißen Hauses im knappsten Rennen der US-Geschichte durch die Demokraten an die Republikaner. Mit einer geschickten Gesprächstaktik und volkstümlichem Auftreten war Bush der klare Sieger gegen den vermeintlichen Debattenprofi Gore, der seine Form nie fand. Beide hatten sich sorgfältig auf die Debatten vorbereitet; befreundete Politiker spielten in den Trainingsrunden die Rolle des Kontrahenten.

1992 gab es aber mit Ross Perot einen dritten Teilnehmer

Normalerweise sind nur die Kandidaten der beiden großen Parteien zugelassen. 1992 gab es aber mit Ross Perot, dem Bewerber der Reform- Partei, einen dritten Teilnehmer. 1980 duellierte sich Reagan einmal mit "Titelverteidiger" Jimmy Carter und einmal mit dem Unabhängigen John Anderson. Die Zahl der Debatten zwischen den Spitzenbewerbern schwankte zwischen zwei und vier. Das sind beträchtlich weniger als bei der Debattenserie, die als historisches Vorbild gilt: 1858 diskutierten der spätere Präsident Abraham Lincoln und Stephen Douglas im Ringen um einen Senatssitz im Bundesstaat Illinois sieben Mal. Topthema war die Sklaverei.

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