TV-Duell mit Obama
Gibt Clinton auf?

Hillary Clinton ist immer für eine Überraschung gut. Statt Barack Obama bei der Fernsehdebatte in Texas hart zu attackieren, gibt sie sich plötzlich versöhnlich. Denkt die frühere First Lady bereits über ihre politische Rolle unter einem Präsidenten Obama nach?

Als Barack Obama und Hillary Clinton die Bühne der Universität von Austin/Texas betreten würdigen sich die beiden Demokraten keines Blickes. Die Stimmung ist angespannt, keiner von beiden darf sich einen Ausrutscher erlauben, niemand den Naumann machen. High Noon.

Zehn Siege in Folge hat Barack Obama eingefahren, nach welcher Zählweise des komplizierten demokratischen Nominierungsprozess auch immer: Der Afroamerikaner liegt im Rennen um die US-Präsidentschaft vorne. Hillary Clinton kann nur noch gewinnen, wenn sie am 4. März in Texas und Ohio mit Abstand gewinnt. Aber eine Umfrage, die ABC und Washington Post unmittelbar vor der TV-Debatte veröffentlichten, spricht eine andere Sprache: der einst große Vorsprung der Kandidatin bröckelt, auch im Rostgürtel des Mitteren Westens.

Doch was als Duell, als Showdown angekündigt war, beginnt seltsam lahm. Clinton und Obama betonen, wie nahe sie bei der Einwanderungspolitik zusammen liegen. Gut, bei der Gesundheitspolitik wirft die Ex-First-Lady ihrem Kontrahenten vor, 15 Millionen Unversicherte bei seim Konzept für eine allgemeine Krankenversicherung außen vor zu lassen. Clinton will mit der neuen Führung von Kuba nicht ohne Vorbedingungen reden, Obama setzt nur eine "gute Vorbereitung" voraus. Ein echter Streit um die Inhalte sieht anders aus, die Colts bleiben im Holster.

Um Inhalte geht es auch gar nicht. Es geht um Charakter, um Führungsstärke. Clinton wiederholt den Vorwurf, Obama bediene sich bei seinen hochgelobten Reden Versatzstücken aus Ansprachen seiner politischen Freunde. Dabei verdreht sie einen von Obamas Slogan: "That's not change you can believe in, that's change you can Xerox." ("Das ist nicht der Wandel, an den wir glauben können. Das ist Wandel, der aus dem Fotokopierer kommt." Der Schuss geht nach hinten los. Für einen Moment herrscht Schweigen im Saal, dann brechen Buhrufe los. Clinton spürt: Zu heftige Attacken schaden ihr mehr als dem innerparteilichen Konkurrenten.

Die harte Lady schaltet um. Zweimal wird sie gefragt, ob sie an Obamas Fähigkeiten zweifelt, als Oberkommandierender Amerika im Krieg gegen den Terror zu führen. Genau das ist eines ihrer zentralen Wahlkampfargumente - doch jetzt weicht sie der Frage zweimal aus.

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