TV-Duell
Politikforscher sehen TV-Duell positiv - Mit Vorbehalten

Wenn es um telegenes Auftreten geht, dann ist Gerhard Schröder nach gängigem Urteil seinem Herausforderer Edmund Stoiber überlegen.

dpa HAMBURG. Wenn es um telegenes Auftreten geht, dann ist Gerhard Schröder nach gängigem Urteil seinem Herausforderer Edmund Stoiber überlegen: "Der Kanzler kommt besser an, weil er dem Typ des Machers entspricht, der kurzfristig handeln kann", sagt Prof. Christine Landfried. Dieses Image wird nach Ansicht der Hamburger Politikwissenschaftlerin durch das Fernsehen begünstigt, da das Medium über die Macht der Bilder die Tendenz zur Kurzatmigkeit fördere. "Im Fernsehen ist die Darstellbarkeit von Politik wichtig. Langfristige Perspektiven haben es da immer schwer".

Wichtig ist die Authentizität

Ob jedoch Schröder trotz dieses Platzvorteils die beiden TV-Duelle für sich entscheidet, ist für Landfried keineswegs ausgemacht: "Wer den besseren Part spielt, kann man noch nicht sagen. Wichtig ist dabei die Authentizität, also die Frage, wie glaubwürdig politische Aussagen beim Zuschauer ankommen." Für Landfried und andere Wissenschaftler ist jedoch die Frage von "Sieger" und "Verlierer" im Fernsehduell weniger entscheidend. Viel wichtiger ist ihnen die Frage, ob der Schlagabtausch vor dem Bildschirm auch für die politische Meinungsbildung des Bürgers hilfreich sein kann.

Unstrittig ist, dass die erstmals vor einer Bundestagswahl ausgestrahlten TV-Duelle die Personalisierung im Wahlkampf verstärken. Anders als FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle, der erfolglos gegen die Duelle vor Gericht klagte, sieht Landfried jedoch darin keine Verfälschung. "Die Parteiendemokratie hat sich gewandelt. Die Auswahl der Eliten in der Politik läuft stark über Personen ab", sagt die Professorin.

Claus Leggewie sieht die Rolle der TV-Duelle für die Demokratie grundsätzlich positiv

Auch ihr Kollege Claus Leggewie sieht die Rolle der TV-Duelle für die Demokratie grundsätzlich positiv: "Damit können grundsätzlich auch politikferne Sichten erreicht werden." Der Politologe, Leiter des Zentrums für Medien und Interaktivität an der Universität Gießen, sieht den Fernsehgipfel der beiden Spitzenkandidaten aus einem anderen Grund kritisch: "Der Impuls, ein Duell zu machen, ist dem Bedürfnis der "Kampas" und dem Unterhaltungsformat der Fernsehsender entsprungen."

Leggewie hätte sich deshalb wie in den USA bei den Debatten der beiden Präsidentschaftsbewerber eine eigene Kommission aus unabhängigen Persönlichkeiten gewünscht, die die TV-Duelle organisiert und eigene Regeln aufstellt. "Was wir erreichen sollten, ist aus einer Zuschauer- eine Beteiligungsdemokratie zu machen, aber die Möglichkeiten des Fernsehens sind hier sehr beschränkt", meint der Wissenschaftler. Dafür kämen eher die Neuen Medien wie das Internet in Frage. Leggewie hat mit der Plattform www.wahlthemen.de zusammen mit der Bundeszentrale für Politische Bildung selbst eine solche Initiative gestartet.

"Inszenierung von Politik im Fernsehen"

Als "Inszenierung von Politik im Fernsehen" kritisiert Landfried, dass die Sender im Anschluss an die Duelle in eigenen Sendungen den Schlagabtausch nochmals analysierten. "Viel wichtiger wäre es, dazu Bürger zu befragen und in die Sendungen einzuladen", sagt die Wissenschaftlerin. Sie gehört zusammen mit Leggewie einer eigens gegründeten "Kommission zu den Kanzlerdebatten" die aus wissenschaftlicher Sicht die beiden Duelle begleiten wird. Mitglied dieser Kommission ist auch das Adolf-Grimme-Institut, das jährlich den renommiertesten deutschen Fernsehpreis verleiht. Auch der Deutschlandfunk kooperiert: Der Hörfunksender wird die Diskussion der "Kommission" live (21.30 Uhr) im Anschluss an die beiden Duelle übertragen.

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