TV-Duell
Unentschieden in den Endspurt

Das zweite TV-Duell der Kandidaten sollte besser, spannender, kontroverser sein. So richtig gelungen ist das trotz der Mühen der Moderatorinnen nicht. Doch während Stoiber sich erneut überraschend gut schlug, konnte der Kanzler diesmal mit Souveränität punkten.

BERLIN. Eines hat Edmund Stoiber wirklich beherzigt bei dieser zweiten Runde des TV-Duells: Beim Angriff muss man dem Gegner immer direkt in die Augen sehen. Sie sollen miteinander reden und nicht nur übereinander, wünschte sich Moderatorin Sabine Christiansen gleich zu Anfang von den beiden Herren, die mit nahezu gleichen Anzügen, Hemden und Krawattenmustern vor die Kameras traten.

Nachdem die ersten Fragen über das letzte Fernseh-Duell ohne rechte Begeisterung abgehandelt worden waren, nutzte Stoiber schnell seine Chance zum Angriff. "Sie haben Ihr Versprechen, die Arbeitslosigkeit zu senken, massiv gebrochen", erinnerte der Kandidat und schaute sein Gegenüber direkt an. Vier Millionen Arbeitslose zeige die Bilanz der rot-grünen Regierung an und deshalb "werden Sie abgelöst, genauso wie Helmut Kohl", drohte Stoiber.

Auch der Altkanzler Kohl war ein Thema

Der Altkanzler wurde im Laufe des Duells gleich mehrfach erwähnt, was eine zwar kleine, aber echte Überraschung ist: Offensichtlich will Stoiber versuchen, den Kohl-Malus von 1998 jetzt auf Schröder zu übertragen. Doch so richtig zum Zuge mit seiner Kritik kam der CSU-Chef anfangs nicht, denn zunächst hatten Sabine Christiansen und ihre Kollegin Maybritt Illner das Thema Irak gesetzt.

So angreifbar die Ohne-mich-Haltung des Bundeskanzlers sein mag, so eindeutig ist sie aber auch: "Unter meiner Verantwortung wird es keine Beteiligung an einer militärischen Aktion gegen den Irak geben", beteuerte Schröder. Stoiber sprach sich auch gegen Krieg aus, kam aber bei der Frage eines Uno-Mandats erkennbar ins Schwimmen. Sein Versuch zur Differenzierung ging indes unter in Schröders Gegenfrage: "Also was jetzt - Ja oder Nein?"

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Wenig Neues boten die beiden Kontrahenten bei den Themen Koalitionen, innere Sicherheit und Bildungspolitik. Stoiber bekannte sich etwas umständlich zur FDP, Schröder ohne rechte Begeisterung zu Rot-Grün. Die Frage nach einer PDS-Beteiligung konterte der Kanzler klar. "Ohne Wenn und Aber - Nein!" Pauschal und ohne Informationswert kritisierte Stoiber die Sicherheitsgesetze von Otto Schily, stieß aber auf einen bemerkenswert schlecht unterrichteten Regierungschef, der sich lediglich auf Tickermeldungen berufen konnte.

Dramaturgisch gut, aber ohne Neuigkeitswert kam Schröders biografisch unterlegter Glaubenssatz, dass "jeder ohne Rücksicht auf die soziale Herkunft Zugang zu Deutschlands höheren und höchsten Schulen" haben müsse. Stoiber verwies ebenfalls darauf, dass er als Kind nicht auf Rosen gebettet war, hielt sich im Übrigen aber sehr mit bayerischen Bildungsdaten auf.

Mundwinkel Schröders verzogen sich bei Wirtschaftsthemen

Punkten konnte der Kandidat beim Thema Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Wie sehr die Treffer Stoibers saßen, ließ sich an den Mundwinkeln Schröders ablesen. Massenarbeitslosigkeit, Entlassungen, Pessimismus, Steuervorteile für die Großunternehmen - weidlich rieb Stoiber Salz in Schröders offene Wunden. Dessen Versuch, mit dem Anstieg der bayerischen Erwerbslosenzahl zu kontern, nahm sich geradezu lächerlich aus.

Geschickt zog sich Stoiber auch aus der Affäre, als sein Kompetenzteam von Maybritt Illner als "Abteilung alter Hosen" bezeichnet wurde. Ausführlich lobte der Kandidat seine Wunderwaffe Lothar Späth. Punkten konnte Schröder aber erneut beim Thema Frauen: Ob der weibliche Anteil im eigenen Kabinett oder das Topthema Vereinbarkeit von Familie und Beruf - dieser Bereich liegt dem Kanzler mehr als seinem Herausforderer, der bei diesem menschlichen Thema allzu technisch wirkte.

Obwohl mehr Streit und Kontroverse gefragt waren, blieben beide bei ihrer gewohnten Rolle.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering hatte seinen Kanzler ausdrücklich zu Gelassenheit und Zurückhaltung geraten. Schröder solle im Fernsehen wie gewohnt als Staatsmann auftreten und sich nicht von Stoiber provozieren lassen. Es gehe eben nicht darum, bei den eigenen Anhängern 150 % zu holen, meinte Müntefering ironisch. Entscheidender sei, beim demoskopischen Gleichstand die Unentschlossenen zu überzeugen. Wer nun genau vorne lag, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Spontaner Eindruck der professionellen Beobachter: Beide traten gut auf - doch Schröders Konzept ging auf: Der Kanzler wirkte souveräner.

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