TV-Duell
Wahlforscher: "Besondere Kapriolen sind nicht zu erwarten"

Die bevorstehenden TV-Duelle zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unionskandidat Edmund Stoiber (CSU) werden nach Einschätzung des Wahlforschers Mattias Jung nicht viel neues bringen.

dpa MANNHEIM. Die bevorstehenden TV-Duelle zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unionskandidat Edmund Stoiber (CSU) werden nach Einschätzung des Wahlforschers Mattias Jung nicht viel neues bringen. "Besondere Kapriolen sind nicht zu erwarten, das hat man schon bei den Print-Duellen gesehen", sagte das Vorstandsmitglied der Forschungsgruppe Wahlen in einem dpa-Gespräch.

Publikum hat schon ein relativ festes Bild der Kandidaten

Auch das Publikum habe schon ein relativ festes Bild der Kandidaten. "Jemand, der sich bislang mit Stoibers Art zu reden arrangiert hat, den wird das auch jetzt nicht stören", sagte Jung. Es sei deshalb zu erwarten, dass sich die meisten Zuschauer durch das Duell in ihrer jeweiligen Meinung eher bestätigt sehen werden.

Das erste Wahlkampf-Duell wird am kommenden Sonntagabend bei RTL und SAT.1, das zweite 14 Tage später bei ARD und ZDF ausgestrahlt.

"Von Schröder wird erwartet, dass er eine starke Nummer zeigt, während bei Stoiber klar ist, dass er sich im Fernsehen eher schwer tut", unterstrich Jung. Entscheidend sei weniger der objektive Eindruck, sondern, ob ein Kandidat über oder unter den Erwartungen des jeweiligen Zuschauers bleibe. "Schröder muss also etwas mehr bringen."

Den Einfluss der TV-Duelle auf den Wahlausgang hält Jung für eher gering

Den Einfluss der TV-Duelle auf den Wahlausgang am 22. September hält Jung für eher gering. Die häufig angeführten Vergleiche zu den USA, wo TV-Duelle eine entscheidende Rolle spielen, hält er für verfehlt. Erstens sei das politische Interesse in den USA insgesamt weniger ausgeprägt. "Dort haben viele Wähler einen ersten Zugang zur Politik über das Duell - nicht so in Deutschland." Überdies sei die Situation auf Grund des unterschiedlichen politischen Systems nicht vergleichbar. "Umfragen belegen: Für die Wähler ist entscheidender als die Person des Bundeskanzlers, welche Parteien zusammen die Regierung bilden."

Nach der jüngsten Umfrage der Forschungsgruppe wollen rund 50 Prozent der Wahlberechtigten das Duell anschauen. 30 Prozent gaben an, sie würden "eventuell" den Fernseher einschalten. Jung rechnet mit einer tatsächlichen Quote von höchstens 40 Prozent, darunter vor allem politisch überdurchschnittlich interessierte Bürger. Nach Ansicht Jungs ist das ein weiterer Grund, warum sich der Einfluss des Duells auf die Wahl in Grenzen halte: "Bei diesen Wählern ist die politische Überzeugung eher stabil."

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