TV-Duell zwischen Schröder und Stoiber
Kommentar: Politische Weichspüler

Hat irgendjemand von dem Duell zwischen Kanzler Gerhard Schröder und seinem Herausforderer Edmund Stoiber etwas anderes erwartet?

HB DÜSSELDORF. Das, was der deutschen Öffentlichkeit auf den Privatsender RTL und SAT 1 geboten wurde, lässt sich wohl nur mit Begriffen wie Häppchen-Politik, weichgespülte Sprechblasen-Veranstaltung, niveauloser Talk charakterisieren. Klare Konturen in den verschiedenen politischen Feldern, Alternativlösungen in der Steuer-, Arbeitsmarkt- oder Rentenpolitik suchte der unbefangene Fernsehzuschauer bei dem Aufeinandertreffen der Kontrahenten weitgehend vergebens.

Die Positionen von Gerhard Schröder und Edmund Stoiber zu Außenpolitik, Wirtschaft, Steuern und Arbeitsmarkt.

Wie sollte es auch anders sein: Es ging nicht um politische Inhalte, es ging um Äußerlichkeiten, um eine Show, bei der ausnahmsweise nicht Verona Feldbusch oder Thomas Gottschalk im Mittelpunkt standen, sondern eben Schröder und Stoiber. Bedauerlich ist dabei allerdings die Feststellung, dass Feldbusch, Gottschalk und Co. in aller Regel Unterhaltsameres zu bieten haben. Wer normalerweise unter Schlaflosigkeit leidet - nach dieser Sendung konnte auf jedes schlafförderndes Medikament verzichtet werden. Auf der Strecke geblieben ist bei der Auseinandersetzung die Ernsthaftigkeit und Tiefgründigkeit der politischen Diskussion, die vor dem Hintergrund der katastrophalen Lage auf dem Arbeitsmarkt und der prekären Situation vieler Unternehmen eigentlich notwendig gewesen wäre.

An der Ausgangslage der beiden großen Volksparteien für die Bundestagswahl hat sich - soviel steht jedenfalls fest - mit diesem TV-Duell nichts geändert. Das Duell ging aus, wie es viele erwartet hatten. Gerhard Schröder hat sich erneut als ausgebuffter Medien-Profi erwiesen, der die politische PR-Klaviatur beherrscht wie kaum ein anderer. Er wirkte ruhig, gelassen, ja sogar staatsmännisch, er parierte nahezu jeden Angriff seines bajuwarischen Herausforderers.

Allerdings hat auch Stoiber Pluspunkte sammeln können. Der Bayer überzeugte durch detailgenaue Faktenkenntnis und Angriffslust, wobei man ihm die Last des öffentlichen TV-Auftritts eher anmerkte als Schröder. Immerhin: Der CSU-Mann hat seinen desaströsen "Christiansen"-Auftritt vergessen gemacht, er hat dazugelernt. Ingesamt muss man aber zu dem Ergebnis kommen, dass Schröder als knapper Punktsieger aus dem Ring gestiegen ist. Wahlentscheidend wird dieses TV-Duell aber wohl kaum sein, weil der Erkenntniswert viel zu gering war.

Es bleibt spannend, die Wahl ist noch lange nicht entschieden.

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