TV-Fragestunde in Russland
Bürger klagen, Putin tröstet

Einmal jährlich hält Russlands Staatsoberhaupt Putin ein Zwiegespräch mit dem Fernsehvolk. Die Idee der präsidialen Show: Das Volk trifft seinen Präsidenten und erzählt seine Nöte. Die sind offenbar vielfältig, denn während der Sendung gehen mehr als zwei Millionen Fragen bei den übertragenden Sendern ein.

MOSKAU. Es ist Punkt 12 Uhr, die Glocken des Kreml läuten, der Himmel ist grau - dann Schnitt ins TV-Studio hinter den Mauern von Russlands trutziger Machtzentrale: Zwei Moderatoren begrüßen das russische Fernsehvolk, es öffnet sich die weiße Flügeltür, Auftritt Wladimir Putin. Drei Stunden wird der Präsident der Nation Rede und Antwort stehen, live auf drei Sendern und im Radio.

Putin mag "dieses Format", hat er am Ende der letzten großen Fragestunde vor einem Jahr gesagt - vielleicht weil er weiß, dass Meinungsumfragen ihm eine Zustimmung von über 70 Prozent bescheinigen, vielleicht, weil er sicher sein kann, dass die Moderatoren lang nichts anderes tun werden, als von einer russischen Stadt in die nächste zu schalten und Angaben zur Anzahl der eingegangenen Fragen zu machen. Nachfragen? Fehlanzeige! Das erlaubt das Format nicht. Das Volk trifft seinen Präsidenten und erzählt seine Nöte: Das ist die Idee.

Tatsächlich liefern die Auserwählten die Stichworte, anhand derer Putin seine Politik erklären oder das eine oder andere wieder ein wenig gerade rücken kann. Der Ablauf zieht sich durch die ganze Sendung: Ein Forstbeamter in Irkutsk macht sich Sorgen um den russischen Wald, der im großen Stil abgeholzt wird. Der Präsident seufzt, um dann die Nöte des Mannes zu teilen - der russische Wald hat ein echtes Problem. Klar wird die Regierung Abhilfe schaffen: Die Zölle auf den Export von Holz werden erhöht und der Import neuer Maschinen für die Holzwirtschaft werden erleichtert - wsjo basta!

Ein knorriger Landwirt aus Südrussland hadert mit dem Zustand der russischen Äcker und Dörfer: Der Präsident spult die Details des Regierungsprogramms zur Stärkung der Landwirtschaft ab. Es hagelt Zahlen und prozentuale Steigerungsraten. Russland wird den Geldsegen aus dem Öl- und Gasgeschäft nutzen, um den Bauern zu helfen: 7,5 Mrd. Rubel im nächsten Jahr.

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