TV-Frust wird immer größer
WM zum Frühstück schmeckt 21 Millionen

Der neue Hit heißt WM-Fußball zum Frühstück: Bis zu 21,05 Millionen Fernsehzuschauer ermittelten die TV-Forscher am Samstagmorgen um 10.15 Uhr, als Oliver Neuville das Siegtor zum 1:0 gegen Paraguay erzielte.

dpa HANNOVER/SEOUL. Im Schnitt drückten 18,08 Millionen Menschen im alter von über drei Jahren während der Live-Übertragung der ARD dem Völler-Team bei Kaffee, Brötchen und Marmelade die Daumen, darunter sehr viele Familien. Damit ist die Achtelfinal-Partie der TV-Hit des Jahres. Mehr Zuschauer hatte 2002 keine Fernsehsendung.

Auch der Marktanteil von 87,7 % bedeutet TV-Rekord für die öffentlich-rechtlichen Sender. Lediglich die Durbridge-Krimis in den 60er Jahren waren ähnliche Straßenfeger. Die damaligen Messverfahren sind allerdings mit den heutigen Methoden nicht vergleichbar. Während des Spiels blieben in den Geschäften die Angestellten fast unter sich. Auf den Wochenmärkten guckten auch Fischhändler sowie Obst- und Gemüseverkäufer Fußball. Nach 10.30 Uhr füllten sich schlagartig die Kaufhäuser und Läden. Überall mussten die Menschen Schlange stehen.

"Das ist sensationell. Der frühe Anstoßtermin 8.30 Uhr war am Samstag ein Vorteil. Wir sind sehr zufrieden", freute sich ARD-Leiter Peter Jensen im IBC-Studio Seoul über die Spitzenquoten zu ungewöhnlicher Zeit. Fußball erweist sich bei dieser WM immer mehr als Gemeinschaftserlebnis, das Generationen verbindet. Der extrem hohe Marktanteil bedeutet, dass neun von zehn Menschen, die um 8.30 ihr TV-Gerät eingeschaltet hatten, das WM-Spiel wählten.

Dennoch wächst bei vielen Fans der Fernseh-Frust. Nicht die Fehler von Reporter Heribert Faßbender, dem kleinere Malheurs unterliefen, sondern die Aussperrung von vielen WM-Begegnungen bringt die Zuschauer auf die Palme. Auch im Achtel- und Viertelfinale dürfen ARD/ZDF nicht alle Spiele zeigen, sondern lediglich eine Partie pro Tag. Sollte es am Freitag (8.30 Uhr) zum Viertelfinale-Knüller Brasilien - England kommen, zeigt nur der Pay TV-Sender Premiere dieses Match live. Das ZDF überträgt um 13.30 Uhr das nächste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko oder die USA.

"Das haben alle schon lange vorher gewusst, aber jetzt wird es besonders deutlich", erklärte Jensen zu dem TV-Dilemma der eingeschränkten Berichterstattung. Kurzfristige Verhandlungen mit der Kirch Media WM AG, die die Rechte besitzt, über eine Nachbesserung schloss er aus: "Da gibt es keine Hoffnung und da rühren wir auch nicht dran rum. Wir sind froh, dass die deutsche Mannschaft noch im Rennen ist. So können wir das Beste aus der Situation machen."

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