TV-Geräte-Hersteller meldet Insolvenz an
Bayern gibt Schneider noch nicht ganz auf

Der bayerische Fernsehgerätehersteller Schneider Technologies AG hat wie angekündigt einen Insolvenzantrag gestellt. Die Börse reagierte auf die Pleite mit einem Kurssturz: Bis zum frühen Abend verlor die Aktie rund 80 % auf etwa 50 Cent.

mwb/jojo MÜNCHEN. Auslöser der akuten Krise in dem seit Jahren angeschlagenen Unternehmen ist die Weigerung der Hausbanken, weiteres Geld in die Türkheimer Firma zu pumpen.

Selbst der Freistaat Bayern geht jetzt hart mit Schneider ins Gericht. 1998 hatte Wirtschaftsminister Otto Wiesheu noch maßgeblich an der Rettung mitgearbeitet. Jetzt wirft der CSU-Politiker dem Management vor, nicht wie damals geplant Stellen gestrichen und die Qualität gesteigert zu haben: "Statt dessen wurde Personal aufgebaut und der Umsatz nach oben getrieben, nicht aber der Ertrag."

Wiesheu will Schneider dennoch nicht ganz aufgeben: "Soweit sich hier Spielräume ergeben, wird die staatliche Seite im Rahmen ihrer Möglichkeiten tragfähige Konzepte mit unterstützen." Sollte die Firma also Partner finden, könne der Freistaat nochmal einspringen, hieß es aus dem Ministerium. In der welcher Form sich Bayern beteiligen könnte, wollte ein Sprecher jedoch nicht sagen.

Finanzkräftige Partner derzeit nicht in Sicht. Auch die Banken hatten ihren Ausstieg maßgeblich mit der bislang fehlgeschlagenen Partnersuche begründet. Selbst die bayerische Förderbank LfA - seit dem letzten Rettungsversuch 1998 mit knapp 19 % größter Einzelaktionär - zog die Reißleine. "Die LfA kann das Unternehmen nicht allein halten. Schneider hat keine Liquidität mehr", sagte der für das Beteiligungsgeschäft zuständige LfA-Vorstand Michael Schneider. "Wir beurteilen Schneider wie alle Fälle zuvor", betonte der Banker. Es gebe nach Stoibers Kanzlerkandidatur keine neuen Anweisungen aus der Landesregierung, bei angeschlagenen Unternehmen jetzt härter durchzugreifen.

Die IG Metall Bayern sprach von einem "ungeheuerlichen Vorgang"des Schneider-Vorstands. Ein Sprecher betonte, er hätte vor dem Gang zum Amtsgericht "Gespräche mit Mitarbeitern und Gewerkschaften erwartet". Für die rund 700 Beschäftigten sieht es schlecht aus. Eine jüngst erstellte neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger hat nach Angaben des LfA-Vorstands die Entlassung fast der Hälfte der Belegschaft vorgesehen. Schneider unterstrich, dass eine Sanierung nur zusammen mit einem Partner möglich sei.

Schneider ist nicht das einzige Unternehmen der Branche, dass momentan Hilfe benötigt. Auch der angeschlagene Marktführer auf dem deutschen TV-Geräte-Markt, die Grundig AG, sucht einen Investor. Mit rund zwei Millionen produzierten Fernsehern sind die Nürnberger fünf Mal so groß wie Schneider. Ein Zusammenschluss mit Schneider kommt für Grundig aber offenbar nicht in Frage.

Beide Unternehmen leiden seit Jahren unter zu hohen Kosten und dem harten Wettbewerb fernöstlicher Massenhersteller. Der deutsche Markt für TV-Geräte und Zubehör ist weitgehend gesättigt. Der Branchenverband GFU schätzt, dass in 98 % aller Haushalte hier zu Lande ein Fernsehgerät steht. Dass die Deutschen im vergangenen Jahr dennoch 3 % mehr für TV-Equipment ausgaben als im Vorjahr, lag vor allem an DVD-Geräten.

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