TV-Kabelnetz
Ein Konkurrent weniger - ein Problem mehr

Noch vor wenigen Monaten dominierte das Blau des Kabelnetzbetreibers ish so manchen Stellenteil von Tageszeitungen. In Zeiten, in denen von der IT-Branche immer nur über Entlassungen berichtet wurde, stellte ish (vormals Kabel NRW) ein, was das Zeug hielt.

 

KÖLN Jetzt kommt nach einer selbst für die schnelllebige IT-Branche kurzen Zeit die Vollbremsung. 570 der 2400 Mitarbeiter müssen gehen - vor allem im Vertrieb- und Service-Bereich. Mit dem Betriebsrat wird zur Zeit noch über einen Interessensausgleich beraten.

Der Grund dafür liegt in einem Wettbewerber, der gar nicht in den Markt eingetreten ist. Weil TV-Kabel-Deal zwischen Deutscher Telekom und Liberty Media platzte, steht jetzt auch ish im kurzen Hemd da. "Die Entscheidung von Liberty Ende Februar, nicht in den Markt zu gehen, lässt uns vor einer völlig neuen Marktsituation stehen", sagte Unternehmenssprecherin Annette Holzapfel.

"Damit, dass Liberty nicht kommt, hat in den letzten zwei Jahren keiner mit gerechnet." Im letzten Jahr hat ish nach Angaben Holzapfels 1600 Mitarbeiter neu eingestellt. "Hätten wir das nicht gemacht und wäre der Deal mit Liberty zu Stand gekommen, hätten wir den Markt nicht bedienen können", verteidigt Holzapfel das Job-Jojo.

Ish hat von der Deutschen Telekom die TV-Kabelnetze für Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg übernommen. Liberty bewarb sich um die restlichen Regionalgesellschaften. Was also hat das eine mit dem anderen zu tun?

Der Schlüsselbegriff für diese Frage lautet "Konsolidierung von Netzebene drei und vier". Ebene Eins ist der Weg vom Sender zum Satellit. Ebene zwei verbindet Satellit mit dem zentralen Kabel-Verteiler. Ebene drei schließlich schließt einzelne Straßenzüge an das Kabelnetz an. Ebene vier (die vielzitierte "Letzte Meile") ist die Verbindung von der Straße zum einzelnen Haushalt.

Große Kabelbetreiber wie die Telekom und ish verfügen in der Regel nur über das Netz bis zu dritten Ebene. Die Netzebene vier liegt in der Hand von regionalen und überregionalen Betreibern und Wohnungsbausgesellschaften. Um wirklich an Kunden heranzukommen, müssen die Betreiber der Ebene drei mit den Eigentümern der Ebene vier zusammenarbeiten. Und hier liegt das Problem - für ish.

Denn nach dem Platzen des Liberty-Einstiegs sind die Eigner der Netzebene vier nach Darstellung von ish-Sprecherin Holzapfel zögerlich geworden. Viele Betreiber wollen bundesweit einheitliche Verträge abschließen. Dafür fehlen jetzt - außer in Baden-Württemberg und NRW - die Partner.

Das hat zur Folge, dass ish die Planung für den Ausbau des Kabelnetzes zurückschrauben muss. Zwar soll der Ausbau der Ebene drei im selben Tempo wie bisher weitergehen. Doch damit lässt sich kein Geld verdienen, so lange zwischen der Infrastruktur und den Kunden ein Loch in Form der Netzebene vier klafft.

Von den 4,2 Millionen Haushalte in NRW sind nach Angaben von ish bisher eine Million angeschlossen. Genaue Zahlen, welche Konsequenzen die Massenentlassung für den Ausbau des Kabelnetzes hat, gibt ish nicht bekannt. Stattdessen klingen die Mitteilungen aus der ish-Pressestelle schon sehr nach finalen Durchhalteparolen. Die Entlassungen seien "ein klares Bekenntnis dazu, dass wir im Markt bleiben", so Holzapfel.

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