TV-Programm wird über Digitalpaket des Zweiten verbreitet
ZDF kooperiert mit Wirtschaftskanal CNBC

ZDF-Intendant Dieter Stolte baut seine Allianzen weiter aus: Ab sofort verbreitet der Mainzer Sender in seinem Digitalpaket das Wirtschaftsfernsehen CNBC. Mittelfristig plant das ZDF als Nachrichtenlieferant für den in den USA so populären Sender aufzutreten, der zur Hälfte NBC und Dow Jones gehört.

BERLIN. Mit dem neuen Partner ZDF will der englischsprachige Wirtschaftsnachrichtensender CNBC seine Präsenz auf deutschen Mattscheiben verstärken. Ab sofort wird der TV-Sender über das Digitalpaket "ZDF Vision" verbreitet. Rick Cotton, Chef von CNBC Europe, ist überzeugt, dass die derzeitige Flaute an den Börsen das Interesse der Anleger nach Börseninformationen in Echtzeit nicht nachhaltig schwächt. ZDF-Intendant Dieter Stolte sagte dem Handelsblatt: "Ich sehe ein steigendes Interesse einer breiteren Bevölkerungsschicht an wirtschaftlichen Entwicklungen. Diesen Interessen werden wir stärker Rechnung tragen müssen."

Für das ZDF ist die vorläufig auf fünf Jahr beschränkte Kooperation mit dem US-Medienunternehmen, ein feiner Schachzug. Der Nachrichtensender, der je zur Hälfte den Medienhäusern NBC und Dow Jones gehört, passt hervorragend in das Angebot der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt. Denn im digitalen Programm-Paket "ZDF-Vision" ist ein Platz frei geworden, nachdem sich das österreichische Fernsehen ORF aus urheberrechtlichen Gründen verabschieden musste.

"ZDF Vision" wird bundesweit in das Kabelnetz der Deutschen Telekom AG eingespeist und unverschlüsselt über den Astra-Satelliten 1 G ausgestrahlt. Die technische Reichweite liegt bei 2,8 Mill. Haushalten in der Bundesrepublik. Zum Empfang braucht der Zuschauer allerdings einen digitalen Decoder (Set-Top-Box).

Stolte: Keine Berührungsängste mit Privatwirtschaft

Mit der Kooperation bleibt der ZDF-Intendant seinem Kurs treu. Denn Dieter Stolte kennt keine Berührungsängste mit der Privatwirtschaft, der 67-Jährige, seit fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des ZDF, setzt konsequent auf Allianzen. Erst im Frühjahr schloss Stolte eine enge Partnerschaft mit dem Internet-Dienst der Deutschen Telekom, T-Online.

CNBC, der neue Untermieter bei "ZDF Vision", hat für den Mainzer Sender mehrfach Bedeutung. Zum einen beschert er dem deutschen Sender zusätzliche Einnahmen. Zum anderen wird CNBC spätestens in zwei Jahren ein deutschsprachiges Programm ausstrahlen , betonen Cotton und Stolte übereinstimmend. Danach könne das ZDF dem Nachrichtensender, der in den USA höhere Quoten als Konkurrent CNN erzielt, Nachrichten zuliefern. "Wir sehen ein großes Potenzial in der Zusammenarbeit mit dem ZDF", sagt Cotton.

Mit der Partnerschaft öffnen sich ZDF und CNBC angesichts der Privatisierung der Kabelnetze in Deutschland viele Möglichkeiten. Schließlich werden die Kabelbetreiber künftig enormen Programmbedarf haben. Jurist Cotton, der einst das Joint Venture von NBC mit Microsoft aushandelte, verrät nur so viel: "Wir haben eine sehr große Unterstützung für unsere Expansion in Europa."

Positive Erfahrungen mit NBC

Das ZDF hat mit der Mutter des neuen Partners, NBC, bisher durchweg positive Erfahrungen gemacht. Bereits 1995 wurde ein erstes Kooperationsabkommen unterzeichnet, das letztes Jahr vertieft wurde. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist die Verlegung eines deutschen NBC-Korrespondentenbüros zum ZDF nach Mainz.

CNBC will sein Korrespondentennetz europaweit zügig ausbauen, so Cotton bei der Vertragsunterzeichnung in Berlin. Seit April ist CNBC bereits mit einem Partner in Italien präsent, seit kurzem auch in der Türkei. Deutschland, der größte europäische Medienmarkt, gilt dabei vergleichsweise als harte Nuss für Informationssender: "Nichts ist einfach", sagt Cotton lapidar. Um die deutschen Zuschauer kämpfen bereits die Nachrichtensender N-TV, CNN und N 24, der Neueinsteiger aus dem Hause von Leo Kirch. Hinzu kommt der Finanznachrichtendienst Bloomberg. Anders als der deutsche Ableger von Bloomberg hat CNBC bei seinem Nachrichtenangebot jedoch vor allem die Privatanleger im Auge.

Interaktivität spielt hierbei eine große Rolle. So sollen Kleinanleger in Zukunft beispielsweise per E-Mail ihre Fragen an Konzernlenker stellen können, verspricht Angelika Bergmann, Vize-Präsidentin von CNBC Europe.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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