TV-Rechte gingen an Pro Sieben Sat.1
Der Terminator als Retter

Der deutsche Filmproduzent Internationalmedia braucht dringend einen guten Ruf in Hollywood.

BERLIN. Die Kino-Lautsprecher im Berliner Sony-Center vibrieren. Auf der Leinwand mäht ein tonnenschwerer Kranwagen Laternenmaste um - am Lenkrad eine blonde Frau im roten Lederkostüm: Die "Terminatrix". Ein Mann schaut der zerstörerischen Kraft der jungen Dame besonders gebannt zu: "Terminator" Arnold Schwarzenegger, der die Premiere zum neuen Streifen "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" auf der Treppe des überfüllten Großkinos verfolgt. Die deutsche Fassung des Science-Fiction-Films hat der 56-Jährige noch nicht gesehen.

Die Anwesenheit des Hollywood-Stars begeistert nicht nur die Kinofans: Für die Finanziers des erhofften Sommer-Kassenschlagers, die Münchener IM Internationalmedia AG, ist der Deutschland-Besuch Schwarzeneggers ein Geschenk. Die Presse kommt in Scharen, und Moritz Bormann, Chef des in Los Angeles angesiedelten Ablegers von Internationalmedia, zeigt sich zufrieden. Er prostet den Premierengästen zu: "In den meisten Ländern erreicht Terminator die höchsten Kinokarten-Erlöse aller Zeiten."

Erfolge braucht Internationalmedia dringend - vor allem nach dem teuren Kinoflop "K 19" mit Harrison Ford im vorigen Jahr. "K 19 war ein großer Verlust für unser Standing in der Filmszene", sagt Bormann. Jetzt soll es Schwarzenegger richten und den guten Ruf der Deutschen in Hollywood wiederherstellen.

In Deutschland kommt Terminator erst am 31. Juli in die Kinos. Der zweitgrößte Kinomarkt der Welt ist für die Terminator-Produzenten wichtig - aber auch unberechenbar. "Das Verhalten deutscher Kinogänger lässt sich schwer einschätzen", seufzt Bormann, der sich zwei Millionen Zuschauer wünscht. Den Verleih, die Vermarktung und das DVD-Geschäft übernimmt die Sony-Tochter Columbia Tristar. Die Fernsehrechte gingen an die Pro Sieben Sat 1 Media AG. Für 80 Sony-Spielfilme soll die Sendergruppe eine niedrige dreistellige Millionen-Euro-Summe gezahlt haben, heißt es in Branchenkreisen.

Am wichtigsten für das Ergebnis von Internationalmedia sind jedoch die Kino- und Rechteeinnahmen in den USA. Für die Kasse sieht es zwar schon jetzt nicht schlecht aus, denn nach über zwei Wochen in den US-Kinos und in einigen anderen Ländern hat der Streifen bereits mehr als 140 Mill. $ eingespielt.

Doch einen Mega-Gewinn verspricht das Kino-Land Nummer Eins keineswegs. "Mit den Ergebnissen in den USA sind wir nicht ganz zufrieden", räumt Bormann ein. Zwischen 160 und 230 Mill. $ könnte "Terminator 3" in den Staaten einspielen. Bei geschätzten Produktionskosten von 150 bis 200 Mill. $ liegt das eher im unteren Mittelfeld.

Unter den Kinogängern fehlen die Jugendlichen, die den Film zum Kult und damit zum Kassenknüller machen könnten. "Schon ,Terminator 2? spielte Anfang der neunziger Jahre über 200 Mill. $ in den USA ein - insofern hätte man bei ,Terminator 3? eigentlich mehr erwarten dürfen", zeigt sich Thomas Grillenberger, Medien-Analyst bei der Bayerischen Landesbank, enttäuscht.

Welcher Anteil am Einspiel-Ergebnis des "Fun- und Popcorn-Movies" am Ende tatsächlich bei den Produzenten landet, will Bormann erst am Jahresende verraten. Denn Internationalmedia macht das Geschäft nicht alleine: Columbia Tristar und AOL Time Warner sind als Verleiher finanziell beteiligt.

"Terminator könnte für Internationalmedia finanziell und in der Anerkennung den Durchbruch bedeuten", urteilt ein bedeutender deutscher Filmproduzent auf der Berliner Premieren-Party. Bislang spielen auch die deutschen Filmjournalisten mit: Das Drehbuch überzeugt, und das unterscheidet den Film von anderen Computer-animierten Streifen wie "Matrix Reloaded".

Aufmunterung können die geschundenen Aktionäre der deutschen Film-Firma in jedem Fall gebrauchen. Für die Internationalmedia-Aktie ging es wieder abwärts. Seit Terminator in den USA in den Kinos ist, ist der Kurs von 2,10 Euro auf 1,60 Euro Ende abgesackt. Auch auf der Suche nach Werbepartnern hatten die Produzenten wenig Glück: Eine Aufsehen erregende, internationale Werbekampagne, wie sie ein Handy-Hersteller bei "Matrix Reloaded" startete, gibt es nicht.

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