TV-Skandal beim WM-Start
Millionen Fans schauten in die Röhre

Die 17. Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea hat mit einem handfesten Fernsehskandal begonnen. Bis zu drei Millionen Bundesbürger schauten am Freitag in die Röhre. Sie konnten das Eröffnungsspiel Frankreich - Senegal nicht live in der ARD sehen.

dpa HANNOVER. Entgegen aller Beteuerungen scheiterten wenige Stunden vor dem WM-Start die Bemühungen von ARD/ZDF und SAT.1, im Streit um die digitale Satelliten-Übertragung eine Einigung mit dem Rechteinhaber KirchMedia zu erzielen. Ausgerechnet die rund eine Million TV- Haushalte, die mit der modernsten Technik ausgestattet sind, können die 24 WM-Spiele von ARD/ZDF nicht live verfolgen.

Der WM-Blackout führte zu hunderten Anrufen bei ARD und ZDF. Von 12 Uhr an klingelte das Telefon fast ohne Pause. "Es war unglaublich viel los. Gelegentlich wurden wir beschimpft. Aber die meisten Leute haben es mit Fassung getragen", berichtete Sabine Knott, Leiterin der ARD-Zuschauerredaktion in München. Die Sender wiesen die Zuschauer auf Alternativen hin. Zum einen besteht die Möglichkeit, das Gerät vom digitalen auf analogen Empfang umzustellen. "Mit Hilfe einer Zimmerantenne kann man die WM auch verfolgen", riet ZDF-Sprecher Philipp Baum.

"Leidtragende sind ausschließlich Digital-Empfänger, doch KirchMedia hat bis zuletzt Hürden aufgebaut und Auflagen gemacht, die wir nicht erfüllen konnten", bedauerte ZDF-Intendant Markus Schächter das Scheitern. Noch am Dienstag sprach alles für eine Einigung im monatelangen Digital-Streit. ARD und ZDF hatten für ihre Zuschauer mit digitalen Empfangsgeräten spezielle WM-Kanäle eingerichtet, die im Ausland nicht oder schwer empfangbar sein sollten. Doch statt Fußball wurden am Freitag auf den WM-Kanälen Hinweisschilder eingeblendet, die über die neue Situation informierten.

Eine Einigung scheiterte vor allem an unkalkulierbaren Schadensersatzforderungen ausländischer TV-Sender. Die inzwischen insolvente KirchMedia hatte die digitalen Ausstrahlungsrechte in andere Länder wie Spanien, Norwegen und Polen verkauft, die auf ihre teuer erworbene Exklusivität pochten. Nach dpa-Informationen hatte sich am Freitag ein amerikanischer Anwalt gemeldet, der als Vertreter mehrerer nordafrikanischer Sender mögliche Schadensersatzforderungen für den Fall geltend machte, dass die ARD/ZDF-Übertragungen in diesen Ländern zu sehen sind. Dieses Risiko wollten die öffentlich- rechtlichen Sender nicht eingehen.

"Wir haben ARD und ZDF alle rechtlich und wirtschaftlich vertretbaren Brücken gebaut, um trotz der klaren vertraglichen Regelungen auch die digitale Satellitenausstrahlung der Fußball-WM zu ermöglichen", erklärte Alexander Liegl, Geschäftsführer Sportrechte der KirchMedia. In dem umstrittenen WM-Vertrag mit dem Münchner Medienunternehmen hatten sich ARD/ZDF verpflichtet, die digitale Ausstrahlung der WM über Satellit auf Deutschland zu beschränken und zu verschlüsseln. Die unverschlüsselte Übertragung der 24 WM-Spiele im Digital-TV war in dem 125 Millionen Euro-Kontrakt nicht extra festgeschrieben worden. Sollte die WM 2006 in Deutschland nicht bei ARD/ZDF zu sehen sein, verringert sich der Betrag allerdings um rund 50 Millionen Euro.

"Wir waren zu Ersatzzahlungen bereit für den Fall, dass anderen Rechteinhabern durch unsere Übertragung Schaden entstehen könnte. Nun aber werden von Kirch im letzten Moment Nachforderungen erhoben, die uns einen unkalkulierbaren Schadensersatz abverlangen. Das können wir vor den Gebührenzahlern nicht verantworten", sagte der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß.

Auch Sat.1 ist nach eigenen Angaben von der neuen TV-Situation betroffen. Die tägliche Zusammenfassung "ran - WM-Fieber" kann nur von digitalen Satelliten-Empfängern gesehen werden, die eine d-box zum Entschlüsseln besitzen. Für die anderen digitalen TV-Zuschauer bleibt nur ein Flimmern auf der Mattscheibe.

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