TV-Vertrag soll 450 Millionen Euro pro Jahr bringen
Leben wie Gott in Frankreich

Frankreichs Ligafußball bietet nur Dutzendware. Das hindert die Verantwortlichen jedoch nicht daran, erneut eine höhere Summe für einen neuen TV-Vertrag zu fordern. Dass Vivendi Universal den Sender Canal Plus nicht an ein Konsortium verkauft, ist für die Liga ein Glücksfall.

HB PARIS. Frédéric Thierez bietet ein Produkt teuer feil, welches anderswo eher zum Ladenhüter zu werden droht: Fußballrechte. 450 Millionen Euro pro Jahr verlangt der Präsident von Frankreichs Profiliga LFP für die Übertragungsrechte der ersten Liga von 2004 bis 2008 - 100 Millionen Euro im Jahr mehr als für die Spielzeiten 2001 bis 2004. "Exklusivität hat eben ihren Preis. In Deutschland und in Italien sind die Preise für Fußballrechte viel höher als bei uns. Wir verlangen nur einen Preis im europäischen Mittelfeld", tönt es unter dem mächtigen Schnurrbart von Monsieur le Président hervor.

Thierez pokert hoch. Dass in den großen Ligen Europas die Preiskurven für TV-Rechte zuletzt nach unten zeigten und Manager, Trainer und Stars sogar Gehaltsverzicht leisten, stört Thierez nicht. Die Schmach der französischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, als der restlos enttäuschende Titelverteidiger in drei Spielen kein einziges Tor schoss und schon nach der Vorrunde als frisch gebackener Ex-Weltmeister heimreisen musste, hat der Zuversicht der französischen Fußballmanager keinen Abbruch getan - im Gegenteil.

Die erste Zockerrunde hat Thierez gewonnen - ohne eigenes Zutun allerdings. Vivendi Universal verkauft seinen Pay-TV-Sender Canal Plus nicht an ein französisches Konsortium aus den Fernsehsendern TF1, M6 und den Medienkonzernen Lagardère und Pathé. Eine solche Lösung war der Albtraum von Frankreichs Fußballligachef. Mit einem Schlag hätten alle französischen TV-Sender, die im Fußballgeschäft mitreden oder es gerne würden, in einem Boot gesessen. Für Thierez' Produkt hätte es dummerweise nur noch einen Käufer gegeben, die Preise wären zwangsläufig gepurzelt.

Bei den Verhandlungen über die Fußballrechte bis 2004 hatten die Liga-Verantwortlichen 1999 noch den Preis zwischen den verschiedenen Bietern hochtreiben können. Canal Plus berappte schließlich 894 Millionen Euro für die drei Spielzeiten 2001 bis 2004, dreimal mehr als zuvor.

Ein Verkauf von Canal Plus hätte Thierez zudem seines Lieblingspartner beraubt. Canal Plus und der französische Fußball: Das ist seit der Gründung des Senders 1984 eine symbiotische Beziehung. Ohne Fußballübertragungen wäre Canal Plus nie eine nationale Institution geworden und in die Gewinnzone gelangt. Und ohne die Schecks des Fußball- und Spielfilm-Senders hätte Frankreichs Liga wirtschaftlich schon früher Probleme bekommen.

Dennoch wird es schwer für Thierez, seinen Traumpreis gegen die Sender durchzusetzen. Denn das Produkt von Frankreichs Fußballiga LPF ist im europäischen Vergleich nur Dutzendware. Sämtliche Stars der Nationalelf kicken im Ausland. Die Liga ist Durchlauferhitzer für afrikanische und osteuropäische Talente. Kein französischer Klub erreicht europäisches Spitzenniveau. Ein Zuschauermagnet war Fußball in Frankreich ohnehin nie: Erstligisten müssen sich mit einem mageren Schnitt von 15 000 Fans pro Heimspiel abfinden. Kein Wunder, dass auch das Merchandising des Klubs nur schleppend läuft.

Folge: Die finanzielle Situation der Liga wird immer kritischer. 290 Millionen Euro Schulden drücken die 18 Vereine der ersten Liga - vor einem Jahr waren es nur 170 Millionen Euro. Und auch das Image ist angeknackst, seit immer neue Skandale mafiöse Strukturen ans Tageslicht bringen - etwa bei Olympique Marseille, dem einzigen französischen Klub, der in den vergangenen zehn Jahren einen europäischen Titel gewinnen konnte.

Zur Unordnung trägt auch die Führung der Liga bei: Kurz vor der WM musste Thierezs Vorgänger Gérard Bourgoin wegen dubioser Finanzgeschäfte seinen Hut nehmen. Und auch der feudale Führungsstil von Claude Simonet, dem Präsidenten des französischen Fußballverbandes FFF, sorgt für negative Schlagzeilen. Am Tag der fatalen 0:1-Niederlage seines Nationalteams zum WM-Auftakt gegen Außenseiter Senegal in Seoul tafelte der Verbandschef mit vier Gästen zu Abend - für fürstliche 6881 Euro.

Noch aber ist Sparen kein Thema im französischen Fußball. Der vergangene Woche (nach allerlei Kungeleien) zum neuen Nationaltrainer gekürte Jacques Santini bekommt das gleiche Gehalt wie sein geschasster Vorgänger Roger Lemerre: stattliche 38 112 Euro im Monat. Eine umfangreiche Referenzliste musste der 50-Jährige freilich nicht vorweisen, um den begehrten Spitzenjob zu bekommen. Santini, der in den siebziger Jahren beim AS Saint-Etienne spielte, gewann erst in der vergangenen Saison mit Olympique Lyon seinen ersten Meistertitel.

Quelle: Handelsblatt

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