Archiv
Tyco International verunsichert die Anleger

Durch ungewöhnliche Schachzüge lässt sich derzeit an der Wall Street kaum jemand beeindrucken. Die Marktkapitalisierung von Tyco International brach um 30 % ein, nachdem das Unternehmen kürzlich die Aufspaltung in vier unabhängige Einheiten angekündigt hatte.

CHICAGO. Zum Jahresende wurde die Tyco-Aktie noch mit 59 Dollar gehandelt. Seit Neujahr lassen sich die Investoren aber kaum mehr begeistern. Die Anteilsscheine verloren nach und nach an Boden. Gestern notierten die Anteilsscheine von Tyco bei knapp 35 $. Laut Analysten ist dies vorallem auf die undurchschaubare Buchführung von Tyco zurückzuführen. Manch ein Investor sieht in der Bekanntgabe der Aufspaltung gar den Versuch, einen Skandal á la Enron zu vermeiden. "Es herrscht eine wirklich saure Stimmung. Tyco setzt dem Markt schwer zu", sagt Michael Vogelzang von der Investmentgesellschaft Boston Advisors.

Für Aufsehen sorgte Mitte Januar ein Bericht der Analystengesellschaft SEC Insight. Danach könne der Mischkonzern, der alles von Sicherheit über Gesundheit bis Finanzdienstleistungen anbietet, in eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) verwickelt werden. Der Verdacht: Tyco habe auf unsaubere Buchführungstaktiken zurückgegriffen, um die Gewinne künstlich aufzublähen. Im Schatten der Enron Affäre wirken solche Nachrichten wie Gift.

Aber nicht erst seit Enron herrscht an der Wall Street die Meinung vor, dass Konglomerate zu vermeiden sind, weil sie ihr Eigenkapital in der Regel weniger effizient einsetzen. Die Debatte begann schon in den 80er Jahren, als viele so genannte Raider Mischkonzerne aufkauften und in Einzelteile zerlegten. General Motors ist da die Ausnahme. Der riesige Konzern erfreut sich bei den Investoren großer Beliebtheit.

Tyco-Chef Dennis Kozlowski argumentiert jetzt, dass mit unabhängigen Unternehmenseinheiten eine erhöhte Wertschöpfung zu erreichen sei. Der abrupte Strategiewechsel verstärkt jedoch das Mißtrauen der Anleger. Manche Wall Street-Analysten sehen Koslowskis Schwenk dennoch positiv. "Die Besorgnis der Investoren ist nicht begründet, Tyco hat weiterhin einen guten Cash Flow. Gewinne können zwar manipuliert werden, Cash Flows jedoch nicht", sagt Harriet C. Baldwin von Deutsche Bank Alec Brown. Auch Phua K Young von Merrill Lynch ist optimistisch: "Wir glauben, dass die Aufspaltung die zu schaffenden Unternehmenseinheiten transparenter machen wird."

Im Lager der Skeptiker befürchtet man hingegen, dass die Tyco-Einheiten unter dem Tyco-Mantel zu billigen Krediten kamen, die sie als selbstständige Unternehmen nicht mehr erhalten werden. Die dadurch erhöhten Finanzierungskosten dürften sich auf die Gewinne der einzelnen Unternehmen auswirken. Zudem könnten die Unternehmenseinheiten am Markt nicht mehr mit dem gleichen Gewicht auftreten. "Das Konglomerat aufzuspalten, dürfte die Aktie kaum attraktiver machen", sagt Mark Joiner von Boston Consulting Group.

An der Wall Street fragt man sich zudem, warum Tyco gerade jetzt, wo die Zinsen auf historischen Tiefs liegen, die eigenen Bonds zurückkaufen und dies mit teurem Eigenkapital via Börsengang finanzieren wolle.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%