Tyco macht erneut Schlagzeilen
Wall Street zeigt sich vor Fed-Sitzung uneinheitlich

Es ist D-Day an der Wall Street, "Decision Day" - der Tag der Entscheidung. Am Mittag tagt in Washington die Notenbank Fed und im Silicon Valley fällt die Entscheidung über den Merger von Hewlett-Packard und Compaq. Die großen US-Indizes beginnen den Tag uneinheitlich: Der Dow verbessert sich am Morgen um 50 Punkte, die Nasdaq notiert schwach nahe der Null-Linie.

Von der Fed erwarten Analysten keine Veränderung der aktuellen Zinspolitik. Nach wie vor notiert der Leitsatz auf einem 40-Jahres-Tief von 1,75 %, daran soll sich nach Meinung der meisten Marktbeobachter auch nichts ändern. Viel wichtiger wird sein, wie Greenspan und Kollegen die wirtschaftliche Lage der Nation betrachten: Die meisten Analysten erwarten optimistische Töne und eine ausgewogene Einschätzung der konjunkturellen Risiken zwischen Schwäche und Inflation.

So sehr man am Dienstag ins Silicon Valley blickt, wo Hewlett-Packard und Compaq PC-Geschichte schreiben könnten - oder auch nicht -, ein Ergebnis wird erst in einigen Tagen erwartet, da die Stimmen der Aktionäre von Hand ausgezählt werden. Die Papiere beider Unternehmen notieren mit gut 2 % im Plus.

Schlechte Nachrichten aus dem Brokersektor

Auf Unternehmensseite gibt es am Dienstagmorgen Nachrichten aus dem Brokersektor. Goldman Sachs meldet das vierte Quartal in Folge einen Gewinnrückgang, allerdings schlägt das Brokerhaus mit einem Anteilsplus von 98 Cent die noch schwächeren Erwartungen der Analysten deutlich. Der schwache Aktienmarkt, in dem zuletzt kaum Erstnotierungen und Merger stattfanden, habe das Ergebnis erneut geschwächt, heißt es. Die Aktie gewinnt 1,9 %.

Die Bank of America blickt für die Brokerhäuser unterdessen optimistisch in die Zukunft. Einige kurzfristige Indikatoren deuten darauf hin, dass die Branche im Laufe dieses Jahres zulegen werde. Beste Aktie sei das Papier von Merrill Lynch , das die Analysten auf "aggressiv kaufen" setzen, das Papier verbessert sich um 2,2 %.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite notieren die Dow-Werte General Motors und Procter & Gamble . Der Konsumriese, der unter anderem Waschmittel, Windeln und Zahnpasta herstellt, hat angekündigt, die Erwartungen im laufenden Quartal zu schlagen. Die Aktie legt 1 % zu. General Motors hat unterdessen seine Absatzprognosen für die laufenden 3 Monate und das Fiskaljahr bestätigt. Man rechnet mit einem Gewinn von 1,20 $ pro Aktie im ersten Quartal und 3,50 $ im Gesamtjahr und steht damit deutlich vor der Konkurrenz: Ford und Chrysler haben einen Break-Even angekündigt. Die Aktie von GM verbessert sich um einige Zehntel.

Tyco macht erneut Schlagzeilen

Zu den Verlierern gehört am Morgen das Papier von Tyco , das zunächst 1 % abgibt. Der Mischkonzern, der zuletzt durch überraschende Akquisitionen und später durch angebliche Bilanzungereimtheiten im Stile von Enron Schlagzeilen gemacht hat, soll laut Wall Street Journal Probleme mit einigen Tochterunternehmen haben. Diese wollen von Tyco schneller ausbezahlt werden, um ihren Cash Flow zu verbessern.

Größter Verlierer im frühen Handel ist Gemstar-TV Guide. Der Provider von interaktiven Programmführern im Fernsehen hat am Vorabend einen Quartalsverlust von 210 Millionen Dollar oder 51 Cent pro Aktie bekannt gegeben. Für das laufende Quartal spricht das Management eine Gewinnwarnung aus, und dass Finanzchef und Vizepräsident Peter Boylan das Unternehmen verlässt, stimmt Aktionäre auch nicht milde. Gemstar TV verliert 15 %.

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