Typisch für das Sommerloch
Dax-Hausse von Wall Street beflügelt

Die Kurse an der deutschen Aktienbörse haben am Montag kräftig haussiert. Nach einer kontinuierlichen Aufwärtsbewegung über den gesamten Montag hat der Dax mit einem Plus von 7,9 Prozent bzw 281 Punkten bei 3 860 auf Tageshoch geschlossen.

vwd FRANKFURT. Händler sahen vor allem technische Gründe für die positive Entwicklung. Einer von ihnen sagte, das Geschäft sei rein Future-gesteuert, am Kassamarkt kaum etwas los gewesen. "Die großen Adressen sind nicht zu sehen", sagte er.

Ein anderer beschrieb den Tag als typisch für das Sommerloch: kaum Nachrichten, kaum Umsatz. An solchen Tagen orientiere man sich ausschließlich am Verlauf in New York. Und dort kletterten die Aktienkurse kräftig. Spekulationen um eine Bodenbildung in der vergangenen Woche machten dort die Runde, und scheinbar wollte niemand eine Rally verpassen. Selbst eine Meldung über erneute Bilanzmanipulationen, diesmal bei Qwest, konnte die Aufwärtsbewegung nicht bremsen.

Die größten Gewinne verzeichneten die in der Vorwoche überdurchschnittlich geprügelten Versicherungswerte. Allianz und Münchener Rück haussierten ohne fundamentale Meldungen um 13 oder 11,3 Prozent auf 164,95 oder 207,95 Euro. Auch die Automobilwerte stiegen kräftig. Händler verwiesen auf das am Freitag nach oben korrigierte US-Verbrauchervertrauen, von dem die Autowerte überproportional profitierten. Zudem habe Toyota wegen der starken Nachfrage auf dem nordamerikanischen Markt das weltweite Absatzziel erhöht. BMW kletterten in der Folge um 8,7 Prozent auf 40,04 Euro, Daimler-Chrysler um 10,3 Prozent auf 45,80 Euro und VW um 9,6 Prozent auf 44,65 Euro.

Bei den Technologiewerten standen Deutsche Telekom im Blick. Der überraschende Abgang von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff sorgte für neue Spekulationen um die Sommer-Nachfolge. "Middelhoff wäre für die Telekom der richtige Mann", meinte ein Händler. "Er ist jung, hat Erfahrung, und Bertelsmann steht gut da." Von dem Nachmittagsaufschwung konnte die T-Aktie aber kaum weiter profitieren. Selbst die Ankündigung der Telekom, dass man mit fünf Interessenten Gespräche über den Verkauf des Kabelnetzes führe, brachte keinen zusätzlichen Schub. Die T-Aktie verteuerte sich um 4,9 Prozent auf 12,48 Euro. Epcos kletterten um 7,3 Prozent auf 19,85 Euro und Infineon um 8,2 Prozent auf 15,30 Euro.

Fantasie beflügelte Schering, die um 8,9 Prozent auf 53,45 Euro zulegten. Hier stützten laut Händlern Spekulationen um eine feindliche Übernahme von Schering den Kurs. "Die Konsolidierungswelle in der Branche rollt", hieß es mit Blick auf den jüngsten Deal zwischen Pfizer und Pharmacia. Am Wochenende hatte der Finanzvorstand des Konzerns in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" entsprechende Befürchtungen geäußert.

Den starken Anstieg bei den Aktien der Deutschen Post begründeten Händler mit einer Reaktion auf den vorherigen scharfen Kurseinbruch. "Die haben über Gebühr verloren und erholen sich jetzt entprechend stark", sagte ein Marktteilnehmer. Der Wert war vor zwei Wochen nach der Verhängung von Portosenkungen stark eingebrochen und vom Niveau um 13,50 Euro auf unter zehn Euro gesunken. Da der Rutsch relativ konstant gewesen sei, gebe es jetzt nicht viele charttechnische Marken. Der nächste wichtige Widerstand liege im Bereich von 12,10 Euro. Die Aktie gewann 8,3 Prozent auf 10,30 Euro.

Auch MAN drehten im Tagesverlauf ins Plus. Der Vorstandsvorsitzende hatte dem "Handelsblatt" zufolge die Ertragsziele für 2002 als "ausgesprochen sportlich" bezeichnet, was von vielen als praktische Gewinnwarnung ausgelegt wurde. Inzwischen hat MAN aber mitgeteilt, dass man so nicht verstanden werden wolle und weiter mit dem Erreichen der Ertragsziele in diesem Jahr rechne. MAN rückten um 2,1 Prozent auf 20,10 Euro vor.

Der MDax gewann 3,5 Prozent bzw 119 Stellen auf 3475. Hier überraschte Altana mit vorzeitig veröffentlichten Halbjahreszahlen. Deutlich zweistellige Steigerungen von Umsatz und Gewinn konnten den Markt offenbar überzeugen, die Aktie verteuerte sich um 5,3 Prozent auf 51,61 Euro. Vossloh legte Geschäftszahlen vor, die Händler als gut bezeichneten, auch wenn die Einordnung schwer falle. So habe der Konzern ein Unternehmen in Frankreich übernommen und dafür eine Sparte verkauft. Das führe wahrscheinlich zu einem hohen Einmaleffekt in der Bilanz. Vossloh gewannen 2,5 Prozent auf 22,89. Der MDax-Neuling Drägerwerk verbesserte sich um drei Prozent auf 18,70 Euro.

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