"Typisch koreanisches Balli-Balli"
Hängt wirklich gut am Gas

Ralf Leyendecker, ehemaliger Automanager in Südkorea, seziert das Hyundai Coupé 2.7 V6 GLS. Ob das "Junn-dei"-Coupé genug auf dem Kasten hat, um Reisschüssel- und Maurerporsche-Image vergessen zu lassen?

Billige Sportwagen sind eigentlich paradox. PS-starke Zweisitzer nützen keinem und sprechen gegen alle Vernunft: Luxus halt. Und das darf, ja muss sogar etwas kosten. Der Koreaner Hyundai versucht es trotzdem mit einem Low-Budget-Sportwagen: Das Coupé kommt mit kräftigem V6-Motor, 167 Pferdestärken, Ledersitzen, Doppelauspuff und 17-Zoll-Rädern - und liegt dabei gerade einmal in der Preisklasse eines Mazda MX 5.

Ob das "Junn-dei"-Coupé genug auf dem Kasten hat, um Reisschüssel- und Maurerporsche-Image vergessen zu lassen? Das Weekend Journal bat einen Experten für koreanische Autos zur Testfahrt in den Taunus: Der 61-jährige Ralf Leyendecker war bis 2002 Qualitätsdirektor beim Autozulieferer Kamco. Nicht nur dass Hyundai Kunde der Bosch-Tochter war - auch Leyendeckers Dienstwagen war ein Hyundai. Nach der Rückkehr schrieb er unter Pseudonym ein Buch über das asiatische Geschäftsleben.

Schon vor der Testfahrt im Coupé aus gleichem Hause ist der Ingenieur deshalb ein bisschen schadenfroh: "Ich kenne ja einige Schwachstellen von Hyundai", sagt er grinsend. "Es wird mir ein Vergnügen sein, mir eine kritische Meinung zu bilden."

Der Ex-Manager geht als Erstes akribisch die Leistungsdaten des Testwagens durch. Und bleibt sofort an einem Detail hängen: "Ein CW-Wert von 0,34!" schimpft er. "Typisch koreanisches Balli-Balli." Letzteres klingt nicht nur so ähnlich wie dalli-dalli, es heißt auch dasselbe - schnell-schnell auf den Markt und bloß nicht zu viel rumbasteln.

Aber dann steigt Leyendecker ein. Und gibt sich überrascht: "Edel", sagt er verdutzt. Er betrachtet die Ledersitze, das schwarz-silberne Armaturenbrett und die fetten Aluminium-Pedale: "Alles untypisch für Hyundai." Mit skeptischer Miene fährt er los - und lobt gleich weiter: "Die Schaltung ist kurz und präzise, er hängt wirklich gut am Gas", sagt Leyendecker nach den ersten Metern. "Die Abstimmung ist auch okay. Ich würde ihn nicht gerade an seine Grenzen fahren wollen, ist aber wirklich in Ordnung."

Aber Ralf Leyendecker wäre nicht der Mann, der so gemein über die koreanische Autoindustrie schreibt, wenn er sich damit zufrieden gäbe. Also steuert er eine kleine Waldpiste an: "Das sind alles Opastraßen hier. Ich will ihn ein bisschen scheuchen." Wer das Kapitel "Ich bin spät dran" in seinem Korea-Buch gelesen hat, ahnt, was nun folgt: In Dae-jeong hat Leyendecker seine tägliche Fahrt zur Arbeit optimiert, indem er "Speedbreaker" doppelt so schnell umfuhr, "mit den rechten Rädern in der Gosse", oder die Schlaglochpiste zum Werk mit "full speed" durchbretterte. Vor uns liegt nur noch ein schmaler Streifen Asphalt, rechts fällt der Abhang tief ins Taunus-Tal. Leyendecker haut die Gänge rauf und runter, schießt scharf am Straßenrand entlang und zirkelt mit 140 Sachen Ideallinien auf die hessische Landstraße.

"Doch, das nimmt er ganz gut", sagt er. Der Weg führt jetzt steil bergauf, und der Ingenieur wartet, wann im 5. Gang die Leistung absackt. Den Gefallen tut ihm das koreanische Kraftpaket aber nicht und stürmt den Berg hoch. "Mann, der Wagen ist wirklich in Ordnung", sagt Leyendecker baff: "Ist natürlich kein Porsche, kostet aber auch nicht so viel."

Es macht ihm jetzt tatsächlich Spaß: Und auch auf der linken Spur der A 3 entlockt er dem Koreaner gediegene Beschleunigungskräfte. Erst ab 200 km/h spürt man, dass der Sechszylinder kein echter Rennwagen ist: An Steigungen geht ihm schon mal ein wenig die Puste aus.

Für wen ist dieser Wagen denn dann geeignet? Als Führerschein- Geschenk für den Nachwuchs vielleicht? "Nicht für meine Tochter", sagt Leyendecker entschieden. Mit der etwas ruppigen Traktionskontrolle erfordert das Coupé bei hohen Geschwindigkeiten durchaus fahrerisches Können.

Am Ende des Tests hat Hyundai einen Sieg nach Punkten davongetragen. Hätte man dem scharfzüngigen Qualitätskontrolleur damals in Dae-jeong ein "Coupé" statt einen lahmen "Sonata" als Dienstwagen verpasst, hätte sein Buch heute vielleicht ein oder zwei böse Kapitel weniger. Aber das wäre ja auch schade.

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