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Typologien: Wie Arbeitnehmer auf die Kündigung reagieren

Auf die Kündigung reagiert jeder anders. Trennungsexperte Laurenz Andrzejewski unterscheidet fünf Grundtypen.

Der Geschockte

Symptome: Vor allem körperliche Reaktionen. Der Geschockte wird bleich, schwitzt, bricht in Tränen aus - oder er schweigt und tritt mit sich in einen inneren Dialog: "Ich hab's geahnt, das musste ja so kommen. Was sage ich jetzt meiner Familie? Was wird aus dem Haus? Wo hab' ich die Nummer von meinem Anwalt?" Gefahr: Führungskräfte, die die private Situation des Gekündigten gut kennen oder mit ihm befreundet sind, neigen zu Mitleid. War der Mitarbeiter besonders loyal, können Schuldgefühle hinzukommen.
Die Folge: Zugeständnisse, Beschönigungen und Verwirrung beim Gekündigten.
Verhalten: Richtig ist jetzt, die Gefühlausbrüche zuzulassen und auszuhalten. Der Gekündigte braucht jetzt Zeit, den ersten Schock zu verdauen. Mitgefühl ist zulässig - aber nur in Maßen. Falsch ist, dem eigenen Schutzmechanismus "Herzverhärtung" nachzugeben. Tränen und Schock sind angemessene Reaktionen bei Gekündigten. Als Chef muss man auch damit umgehen können. Die nächsten Informationen sollten dann aber häppchenweise kommen, um ihn nicht zu überfordern. Formulierungen, wie "Sie sollten", "Sie müssen jetzt" sind schädlich. Besser sind Fragen: "Können Sie sich vorstellen, dass" oder "Ich überlege mir gerade, dass". Gleichzeitig sollte man ein Nachgespräch anbieten. Je nach emotionalem Zustand sollte man Geschockte auch nicht alleine lassen. Profis, wie Psychologen oder Betriebsärzte sollten deshalb abrufbar sein.

Der Hysterische

Symptome: Neben lauten Wutausbrüchen kann es zu offener Aggression kommen. Der Hysterische verschafft sich Luft, bringt seine Überraschung und Enttäuschung spontan zum Ausdruck. Er argumentiert, lamentiert, wird vielleicht handgreiflich.
Gefahr: Das Gespräch eskaliert, die Emotionen dominieren. Führungskräfte lassen sich provozieren, fühlen sich persönlich angegriffen und schießen zurück. Das Ergebnis: der totale Kontrollverlust und größtmögliche Schaden für Manager und Firma. Alternative zwei: Führungskräfte lassen sich durch die Attacken einschüchtern und geraten in die Defensive. Auch hier gerät der Verlauf des Gesprächs außer Kontrolle - und mit ihm die Schadenshöhe.
Verhalten: Unbedingt ruhig bleiben! Aufsteigende Wut durch tiefes Atmen neutralisieren. Zudem sollte man versuchen, weiterhin positiv über den Mitarbeiter zu denken und sich um eine sachliche Sprache bemühen. Hören Sie zu und drücken damit Verständnis aus! Das hysterische Verhalten sollte man nicht kritisieren. Dafür ist der Gekündigte sowieso nicht offen und es heizt die Stimmung nur an. Erst wenn die Situation abgekühlt ist, die Informationen sachlich und ruhig wiederholen und versuchen, dass der Mitarbeiter trotz seines Ausbruchs die Selbstachtung wahren kann.

Der Bettler

Symptome: Unmittelbar nach der Kündigung beginnt der Bettler zu jammern und zu feilschen. Hintergrund kann blanke Existenzangst, aber auch Verhandlungstaktik sein. Er wirkt devot und schwach, bietet an, den gleichen Job auch für weniger Geld zu machen. Oder er bettelt um einen anderen, weniger anspruchsvollen Job.
Gefahr: Das Verhalten ist ein Appell an das soziale Gewissen. Gerade, wenn sich jemand unterlegen zeigt, wirkt die natürliche Beißhemmung. Führungskräfte laufen hier Gefahr, einzulenken. Dabei aber verschiebt sich das Problem nur.
Verhalten: Ruhig und souverän bleiben. Nehmen Sie das Verhalten als Ausdruck der Loyalität wohlwollend auf. Hören Sie sich die Vorschläge des Mitarbeiters an, beziehen Sie dann aber klar Position. Lassen Sie keinen Zweifel an Ihrer Entscheidung. Wiederholen Sie die Trennungsbotschaft. Argumentieren und diskutieren sind tabu. Weder verbal noch nonverbal sollte man Unsicherheiten durchblicken lassen. Wenn die Entscheidung gut vorbereitet und durchdacht ist, muss sie jetzt Bestand haben. Einziges Zugeständnis kann sein:eine Maßnahme, die die Attraktivität des Mitarbeiters am Arbeitsmarkt steigert.

Der Gefasste

Symptome: So gut wie keine. Emotionale Reaktionen bleiben bei diesem Typus aus. Keine Tränen, kein lautes Wort, keine kontroverse Diskussion, keine Betroffenheit - stattdessen pure Selbstbeherrschung und vielleicht sogar ein Lächeln.
Gefahr: Führungskräfte neigen dazu, die Signale falsch zu deuten und sich erleichtert zurückzulehnen. Motto: Alles halb so wild. Tatsächlich können in solchen Menschen Zeitbomben ticken. Sie können später zu Saboteuren wie Amokläufern mutieren oder sich selbst etwas antun. Ein weiterer Grund für die Reaktion: Die Botschaft wurde gar nicht oder falsch verstanden.
Verhalten: Unbedingt die Körpersprache beobachten! Signalisieren Sie, dass Sie für eine Reaktion oder ein Statement offen sind. Bleibt beides aus, ermutigen Sie verbal dazu. Wiederholen Sie die Nachricht. Fragen Sie nach, was angekommen ist. Auf keinen Fall aber sollten Sie versuchen, Emotionen gewaltsam in Gang zu bringen. Das kann als Verletzung der Intimsphäre ausgelegt werden. Stattdessen sollte das Gespräch klar strukturiert werden und erst beendet werden, wenn alle weiteren Schritte konkret vereinbart wurden.

Der Verhandler

Symptome: Souveränes Auftreten, gewählte Sprache, stechende Argumente. Entweder auf Grund mentaler Stärke oder weil er damit gerechnet hat, bleiben bei diesem Typus emotionale oder körperliche Reaktionen nahezu aus. Vielmehr hört er sehr genau zu und tritt sofort in Verhandlungen, hinterfragt Details oder beginnt zu pokern.
Gefahr: Zum Pokern gehört das Bluffen. Verhandler schaffen gerne die Illusion, sie hätten schon einen neuen Job in der Tasche oder wissen von Leichen im Keller. Die Hauptgefahr ist, die Gesprächsführung zu verlieren. Wer bei diesem Typus nicht hundertprozentig vorbereitet ist, könnte Zusagen machen, die er später bereut.
Verhalten: Genau zuhören und genau überlegen, was man sagt! Fragen klar beantworten, aber auch nachfragen, wenn man unsicher ist, worum es geht. Jede vage Andeutung kann später als Zusage ausgelegt werden. Fertigen Sie in jedem Fall ein Protokoll an, das beide unterzeichnen. Besser noch: Ein Personalprofi ist als Zeuge und Verhandlungshelfer anwesend. Notieren Sie, wozu Sie jetzt nichts sagen können und kommen später darauf zurück.

Quelle:WirtschaftsWoche

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